Erste Hilfe bei Medikamenten-Überdosis - Erkennung und Notfallmassnahmen
Zu viel Medikament kann lebensbedrohlich sein. Lerne wie du Überdosis erkennst und was NIEMALS zu tun ist (Erbrechen).
Medikamenten-Überdosis kann tödlich sein. Ob Versehentlich (Kind findet Tablettenpackung) oder absichtlich (Suizidversuch) - schnelle Hilfe ist essentiell.
Die wichtigste Regel: NIEMALS Erbrechen induzieren! Neuere Leitlinien warnen vor aktivierter Kohle ohne fachliche Anleitung.
Giftnotruf ist dein Freund: +49 (0)30 19240 (Berlin) oder je nach Bundesland unterschiedlich.
Medikamenten-Kategorien und deren Gefahren
Sedativa/Schlafmittel
Benzodiazpihin, Barbiturate
Symptome der Überdosis: Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Atemverlangsamung, Bewusstlosigkeit. Besonderheit: Atemdepression kann zum Herzstillstand führen. Antidot: Flumazenil (nur im Krankenhaus).
Antidepressiva
SSRI, Trizyklika
Symptome: Übelkeit, Tremor, Herzrhythmus-Störungen (EKG-Veränderungen), Krampfanfälle bei hohen Dosen, Hyperthermie. Trizyklika sind gefährlicher als SSRI. Keine spezifischen Antidots - supportive Therapie.
Herz-Medikamente
Digitalis, Betablocker
Symptome: Bradykardie (zu langsamer Puls), Herzblock, Hypotension (zu niedriger Blutdruck), Übelkeit. Digitalis-Überdosis: grüne/gelbe Sicht-Störungen sind charakteristisch. Gefährlich: kann Herzstillstand verursachen.
Schmerzmittel/NSAR
Ibuprofen, Paracetamol, Opioide
Ibuprofen: Magen-Blutung, Nieren-Probleme. Paracetamol: Leber-Schädigung (verzögert, sichtbar nach 24-48h). Opioide: Atemverlangsamung, Bewusstlosigkeit, Atemdepression - Antidot: Naloxon (Narcan).
Stimulantien
Amphetamine, Kokain
Symptome: Herzrasen, hoher Blutdruck, Hyperthermie, Agitation, Krampfanfälle, Herzrhythmus-Störungen. Besonderheit: psychische Symptome (Paranoia, Aggressivität) häufig. Gefährlich: Herzinfarkt möglich auch bei Jungen.
Symptome einer Medikamenten-Überdosis
Übelkeit/Erbrechen
Häufig aber nicht immer präsent - manche Medikamente verursachen eher Verstopfung.
Veränderte Bewusstseinslage
Schläfrigkeit bis Bewusstlosigkeit je nach Medikament und Menge.
Herzrhythmus-Störungen
Herzrasen oder Verlangsamung, unregelmäßige Herzschläge - kann zu Kammerflimmern führen.
Atemprobleme
Atemdepression (zu langsam) oder schnelle Atmung je nach Substanz.
Krampfanfälle
Manche Medikamente senken die Krampfschwelle - Anfälle möglich.
Temperaturveränderung
Hyperthermie (zu heiß) oder Hypothermie (zu kalt) möglich.
Notfall-Maßnahmen bei Medikamenten-Überdosis
112 anrufen SOFORT
Sage: "Medikamenten-Überdosis" und nenne das Medikament wenn bekannt, Menge, Zeitpunkt, Alter des Patienten.
Giftnotruf anrufen
Deutschland: +49 (0)30 19240 (Berlin/National). Je nach Bundesland unterschiedlich. Giftnotruf hat Infos zu spezifischen Medikamenten.
Medikamenten-Packung/Flasche mitnehmen
Zum Rettungsdienst/Krankenhaus mitnehmen. Sie brauchen genau zu wissen was genommen wurde.
Patient überwachen
Bewusstsein und Atmung regelmäßig prüfen. Wenn bewusstlos mit normaler Atmung: stabile Seitenlage. Wenn keine normale Atmung: CPR und AED.
NIEMALS Erbrechen induzieren!
Das ist KONTRAINDIZIERT! Kann mehr Schaden anrichten als nutzen. Ausnahme: nur auf Anweisung des Giftnotrufs in bestimmten Fällen.
NIEMALS aktivierte Kohle ohne fachliche Anleitung
Kann bei manchen Medikamenten helfen, bei anderen schaden. Nur Giftnotruf/Arzt entscheidet.
Niemals "ausschwitzen" versuchen
Heißes Bad oder andere Wärme-Therapie ist NICHT indiziert und kann schaden.
Besonderheit: Opioide Überdosis - Naloxon ist Antidot
Bei Opioide Überdosis (Heroin, Fentanyl, Kodein, Morphin): Naloxon (Narcan) ist spezifisches Antidot. Viele Länder haben Naloxon-Autoinjektoren für Laien verfügbar (z.B. in Apotheken).
Naloxon Anwendung: 0.4-2mg i.v., i.m. oder i.n. (nasal). Effekt meist in 2-3 Minuten. Die Wirkung von Naloxon ist kürzer als viele Opioide - daher kann Resedation vorkommen. 112 immer anrufen auch wenn Naloxon wirkt!
Symptome der Opioide-Überdosis: extreme Schläfrigkeit, Atemverlangsamung (<8/min), kleine "Stecknadelkopf"-Pupillen, Zyanose (Lippen blau).
Häufige FEHLER bei Medikamenten-Überdosis
NIEMALS Erbrechen induzieren - kann zu Aspiration oder zusätzlichen Verletzungen führen.
NICHT warten bis Symptome schlimmer werden - 112 sofort!
NICHT versuchen die Person wach zu halten durch Schmerz/Kälte - unsicher und kann schaden.
NICHT das Medikament verstecken - Arzt/Giftnotruf braucht genau zu wissen was genommen wurde!
NICHT "ausschwitzen" lassen - nicht hilfreich und kann Hyperthermie-Probleme verschlimmern.
Häufig gestellte Fragen
Verwandte Themen
Quellen und wissenschaftliche Grundlagen
- Giftinformationszentrale (GIZ) Berlin - https://www.giftnotruf.de
- DGUV Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung - Vergiftungen 2025
- European Association of Poisons Centres (EAPCCT) - Guidelines 2025
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 2025
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