Erste Hilfe bei Panikattacke - Differenzial-Diagnose und Beruhigung

Herzrasen, Atemnot, Todesangst: Eine Panikattacke fühlt sich wie Herzinfarkt an - ist es aber nicht. Lerne wie du unterscheidest und richtig reagierst.

Eine Panikattacke ist eine intensive Episode von Angst mit körperlichen Symptomen: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Kribbeln. Die Person denkt sie sterbe - aber die Panikattacke selbst ist nicht lebensbedrohlich.

Die Krux: Panikattacke-Symptome ähneln Herzinfarkt SO SEHR dass die Person 112 anruft. Trotzdem: bei erster Episode IMMER Arzt ausschließen dass es nicht das Herz ist.

Symptome einer Panikattacke vs. Herzinfarkt

Herzrasen/Palpitationen

Panikattacke: schnell aber regelmäßig, stoppt nach 10-30 Min. Herzinfarkt: unregelmäßig, kann rhythmus-Störungen zeigen.

Atemnot

Panikattacke: schnelle flache Atmung (Hyperventilation), Person fühlt kann nicht atmen. Herzinfarkt: ernsthafte Atemnot mit Rasseln/Keuchen.

Brustschmerz

Panikattacke: Engegefühl, kann überall sein. Herzinfarkt: Druck in Brust, Ausstrahlung in Arm/Kiefer, konstant.

Schwindel

Panikattacke: plötzlich, meist von Hyperventilation. Herzinfarkt: mit anderen Symptomen kombiniert.

Kribbeln/Taubheit

Panikattacke: typisch in Lippen/Fingern (von Hyperventilation - CO2-Mangel). Herzinfarkt: selten.

Dauer

Panikattacke: 5-20 Minuten typisch, max 1h. Herzinfarkt: Stunden.

Sofort-Maßnahmen bei Panikattacke

1

Ruhig bleiben und beruhigen

Die Person ansprechen: "Das ist eine Panikattacke, nicht tödlich. Du wirst nicht sterben. Das geht vorbei."

2

Atemtechnik lehren

Langsame tiefe Atmung: einatmen 4 Sekunden, halten 4 Sekunden, ausatmen 6 Sekunden. Dies reduziert Hyperventilation und CO2-Mangel.

3

Grounding Technik

5-4-3-2-1 Methode: 5 Dinge die du SIEHST, 4 die du FÜHLST, 3 die du HÖRST, 2 die du RIECHST, 1 die du SCHMECKST. Bringt Person in Gegenwart zurück.

4

Nicht allein lassen

Präsenz ist beruhigend. Halte Augenkontakt, sprich ruhig, deine Ruhe überträgt sich auf die Person.

5

Körperliche Aktivität (gering)

Leichte Bewegung kann helfen: spazieren gehen, Wasser trinken, ans Fenster gehen für frische Luft.

6

112 anrufen NUR wenn...

... Symptome über 30 Min anhalten, Brustschmerz konstant ist, Herzinfarkt NICHT ausgeschlossen, oder Person es fordert (bei erster Episode: ärztliche Clearance wichtig).

Häufige Fehler bei Panikattacke

NICHT "Das ist nur Angst" sagen - das minimiert die echte Angst, die die Person fühlt!

NICHT die Person reiben oder schütteln - das macht es schlimmer!

NICHT sagen "Hör auf zu atmen so schnell" - die Person KANN nicht, ist unwillkürlich!

NICHT zu schnell zu EMP-Gefühl "Das ist psychisch" - besonders bei erster Episode muss Herzinfarkt ausgeschlossen werden!

NICHT allein lassen - die Angst vor Allein-Sein kann Panikattacke verlängern!

Altersgerechte Reaktionen

Kinder (6-12 Jahre)

Selten echte Panikattacke

  • Mehr wahrscheinlich Trennungsangst oder spezifische Phobien
  • Manifestation anders: Bauch-Schmerz statt Brustschmerz
  • Eltern-Präsenz ist Schlüssel
  • Arzt-Besuch zur Ausschlusss auch hier

Jugendliche (12-18 Jahre)

Häufige Altersgruppe

  • Oft Schul-bezogene Panik oder soziale Ängstigung
  • Erste Panikattacke kann verstörend sein
  • Peer-Support wichtig
  • Psychologische Unterstützung oft hilfreich

Erwachsene (18-65 Jahre)

Typisch

  • Oft Stress/Überlastung bezogen
  • Können rationale Differenzial-Diagnose verstehen
  • Selbsthilfe-Techniken oft effektiv
  • Wiederholte Anfälle = Panikstörung möglich

Ältere (>65 Jahre)

Atypisch aber möglich

  • Können tatsächlich kardialen Ursachen haben
  • Mehr sorgfältig: Herzinfarkt ausschließen
  • Medikationen können Panik auslösen
  • Isolation/Einsamkeit is Risikofaktor

Häufig gestellte Fragen

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Quellen und wissenschaftliche Grundlagen

  • DSM-5-TR - Diagnostic and Statistical Manual, Panikstörung 2025
  • DGPPN - S3-Leitlinie Angststörungen 2025
  • European Resuscitation Council (ERC) - First Aid Guidelines 2025 - https://www.erc.edu/guidelines-2025
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