Erste Hilfe bei Herzinfarkt - Symptome erkennen und sofort handeln

Ein Herzinfarkt ist ein medizinischer Notfall. Die schnelle Erkennung der Symptome rettet Herzmuskel und Leben.

Ein Herzinfarkt tritt auf, wenn eine Koronararterie plötzlich verschlossen wird und das Herzmuskelgewebe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird. Das Herzmuskelgewebe beginnt innerhalb von Minuten zu sterben. Die Zeit zwischen Symptombeginn und Behandlung ist entscheidend - "Zeit ist Muskel".

Es werden zwei Arten unterschieden: STEMI (ST-Elevation Myocardial Infarction) und NSTEMI (Non-ST-Elevation). Die Symptome können unterschiedlich sein, besonders bei Frauen und älteren Menschen. Daher ist es wichtig, atypische Symptome zu kennen.

Was passiert bei einem Herzinfarkt?

Während eines Herzinfarkts wird eine oder mehrere Koronararterien blockiert, meist durch ein Blutgerinnsel auf einer atherosklerotischen Plaque. Ohne Sauerstoff beginnt der Herzmuskel innerhalb von 20-40 Minuten zu sterben (Nekrose). Je größer die infarzierte Fläche, desto schlechter die Prognose.

Die moderne Therapie zielt darauf ab, die Arterie schnell wiederherzustellen - entweder durch Fibrinolyse (Medikament) oder PCI (Katheter-Intervention). Dies muss idealerweise innerhalb der ersten 12 Stunden erfolgen, optimal in den ersten 3-6 Stunden. Daher ist schnelle Erkennung und Notruf entscheidend.

Symptome des Herzinfarkts - Unterschiede bei Männern und Frauen

Typische Symptome bei Männern

Brustschmerz: Häufig in der Mitte der Brust, hinter dem Brustbein. Wird als Druck, Engegefühl oder Quetschung beschrieben.
Ausstrahlung in den linken Arm: Schmerzen können in den linken Arm, die Schulter oder den Nacken ausstrahlen.
Engegefühl in der Brust: „Als würde mir jemand auf der Brust sitzen" oder „Brust wird eingequetscht".
Kaltschweiß und Übelkeit: Kalter Schweiß, Übelkeit oder Erbrechen können auftreten.

Atypische Symptome - vor allem bei Frauen

Übelkeit und Oberbauchschmerzen: Manche Frauen beschreiben hauptsächlich Magenschmerzen oder Übelkeit, nicht Brustschmerz.
Müdigkeit und Erschöpfung: Ungewöhnliche Müdigkeit, die Tage vor dem Infarkt beginnen kann.
Atemnot: Atemnot ohne klare körperliche Ursache, besonders bei minimaler Belastung.
Kieferschmerzen oder Rückenschmerzen: Schmerzen in Kiefer, Hals oder Rücken zwischen den Schulterblättern.

Allgemeine Warnzeichen

Anhaltende Atemnot: Besonders nach leichter Belastung oder in Ruhe.
Starke Angst oder Vernichtungsgefühl: Viele Patienten berichten von intensiver Angst, etwas Furchtbares könnte passieren.
Schwindel oder Ohnmacht: Besonders bei älteren Menschen oder Diabetikern.
Palpitationen oder unregelmäßiger Herzschlag: Herzklopfen oder unregelmäßige Herzschläge.

Sofortmaßnahmen bei Verdacht auf Herzinfarkt

1

Notruf 112 absetzen

Das ist die wichtigste erste Aktion. Beschreibe kurz die Symptome und deine Position. Sag, dass es ein Herzinfarkt-Verdacht ist.

2

Ruhe und Beruhigung

Lagere den Patienten hin und fordere ihn auf, ruhig zu atmen. Angst kann den Zustand verschlimmern.

3

Oberkörper erhöht lagern

Wenn der Patient bei Bewusstsein ist und nicht ohnmächtig wird: Lagere den Oberkörper erhöht (z.B. auf Kissen).

4

Enge Kleidung öffnen

Öffne enge Kleidung, Krawatte, oder Gürtel um die Brust- und Bauchdecke zu entlasten.

5

Nichts essen oder trinken

Im Notfall könnte schnell eine Magenspiegelung oder OP nötig sein. Leerer Magen ist wichtig.

6

Medikamente verabreichen

Wenn der Patient für Herzprobleme verschriebene Medikamente (z.B. Nitrospray) hat, können diese gegeben werden, aber nicht ohne ärztliche Absprache per Telefon.

7

Bei Bewusstlosigkeit - CPR

Wenn der Patient das Bewusstsein verliert und nicht atmet: Sofort CPR beginnen und AED einsetzen.

Häufige Fehler und falsche Reaktionen

Symptome ignorieren oder auf natürliche Heilung hoffen: Dies kostet wertvolle Zeit. Jede Minute zählt.

Warten, ob es besser wird: Viele Menschen warten zu lange und fahren erst nach 2-3 Stunden ins Krankenhaus.

Selbst ins Krankenhaus fahren statt 112 zu rufen: Der Rettungsdienst kann schon auf dem Weg mit Diagnostik und Medikamenten beginnen.

Aspirin geben ohne Rücksprache mit 112: Aspirin kann helfen, aber sollte durch den Rettungsdienst gegeben werden.

Den Patienten allein lassen: Bleibe beim Patienten, falls CPR nötig wird.

Wann sollte 112 angerufen werden?

  • Brustschmerzen länger als 5 Minuten, besonders wenn in Ruhe
  • Brustschmerzen mit Ausstrahlung in Arm, Hals oder Kiefer
  • Brustschmerzen mit Atemnot, Schwindel oder Schweißausbruch
  • Neue oder ungewöhnliche Übelkeit mit Oberbauchschmerzen
  • Akute Atemnot oder Angst ohne klare Ursache
  • Im Zweifelsfall: IMMER 112 anrufen. Ein Fehlalarm ist besser als ein verpasster Infarkt

Häufig gestellte Fragen

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Quellen und wissenschaftliche Grundlagen

  • European Society of Cardiology (ESC) Guidelines 2025 - Acute Coronary Syndromes - https://www.escardio.org/Guidelines
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) - S3-Leitlinie Infarkt-bedingter kardiogener Schock 2025
  • German Resuscitation Council (GRC) Leitlinien 2025 - https://www.grc-org.de/wissenschaft/leitlinien
  • ILCOR CoSTR 2025 - https://www.ilcor.org/costr
  • American Heart Association (AHA) Guidelines 2025 - https://www.heart.org
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