Erste Hilfe bei Schlaganfall - Schnell erkennen und handeln
Beim Schlaganfall sterben pro Minute 1,9 Millionen Nervenzellen. Das BE-FAST-Schema und sofortiger Notruf sind lebensrettend.
Ein Schlaganfall ist ein zeitkritischer medizinischer Notfall, bei dem die Blutversorgung eines Teils des Gehirns unterbrochen wird. Ohne Behandlung sterben Gehirnzellen ab, was zu dauerhaften Hirnschäden, Behinderung oder Tod führen kann.
Es gibt zwei Hauptformen: den ischämischen Schlaganfall (ca. 80 % - ein Blutgerinnsel blockiert eine Hirnarterie) und den hämorrhagischen Schlaganfall (ca. 20 % - eine Blutung im Gehirn). Der ischämische Schlaganfall kann mit systemischer Thrombolyse oder mechanischer Thrombektomie behandelt werden - vorausgesetzt, er wird rechtzeitig erkannt. Das Zeitfenster für die Thrombolyse beträgt 4,5 Stunden, für die Thrombektomie bei großen Gefäßverschlüssen bis zu 24 Stunden nach Symptombeginn.
Time is Brain - Warum der Schlaganfall zeitkritisch ist
Mit jeder Minute ohne Behandlung sterben etwa 1,9 Millionen Nervenzellen ab. Unbehandelt verliert ein Schlaganfall-Patient pro Stunde so viele Neuronen wie in 3,6 Jahren physiologischer Alterung.
Die entscheidenden Zeitfenster gemäß ESO-Leitlinie 2025: - Systemische Thrombolyse: innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn - Mechanische Thrombektomie: bis zu 24 Stunden bei nachgewiesenem Penumbra-Gewebe (CT-Perfusion)
Je früher die Behandlung beginnt, desto besser das Ergebnis. Deshalb ist der sofortige Notruf 112 die wichtigste Erstmaßnahme.
Arten des Schlaganfalls
Ischämischer Schlaganfall
Ca. 80 % aller Schlaganfälle
Verursacht durch ein Blutgerinnsel, das eine Hirnarterie verschließt. Behandelbar mit systemischer Thrombolyse oder mechanischer Thrombektomie, sofern die Zeitfenster eingehalten werden.
Hämorrhagischer Schlaganfall
Ca. 20 % aller Schlaganfälle
Verursacht durch eine Blutung im Gehirn. Häufige Ursachen: arterielle Hypertonie, Aneurysmen oder Gerinnungsstörungen. Thrombolyse ist hier kontraindiziert. Oft ist eine operative Intervention erforderlich.
TIA - Transitorische ischämische Attacke
Vorübergehende Durchblutungsstörung
Vorübergehende neurologische Symptome (meist unter einer Stunde) ohne bleibenden Hirnschaden. Eine TIA ist ein dringendes Warnzeichen - das Risiko eines vollständigen Schlaganfalls ist in den folgenden Tagen deutlich erhöht. Sofortige ärztliche Abklärung ist erforderlich.
BE-FAST-Schema - Schlaganfall erkennen
B - Balance (Gleichgewicht)
Hat die Person plötzlich Gleichgewichtsprobleme, Schwindel oder eine Gangunsicherheit? Ein plötzlicher Verlust des Gleichgewichts kann auf einen Schlaganfall im hinteren Hirnbereich hindeuten.
E - Eyes (Augen)
Hat die Person plötzliche Sehstörungen? Einseitiger Sehverlust, Doppelbilder oder Gesichtsfeldausfälle weisen auf eine zerebrale Durchblutungsstörung hin.
F - Face (Gesicht)
Bitte die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab oder ist das Gesicht asymmetrisch? Eine einseitige Gesichtslähmung ist ein typisches Schlaganfall-Zeichen.
A - Arms (Arme)
Bitte die Person, beide Arme waagerecht nach vorne zu strecken (Handflächen nach oben). Sinkt ein Arm ab oder dreht sich die Handfläche nach unten? Dies deutet auf eine halbseitige Lähmung hin.
S - Speech (Sprache)
Bitte die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen (z. B. „Heute ist ein schöner Tag"). Ist die Sprache verwaschen, unverständlich oder fehlen Wörter? Dies weist auf eine Sprachstörung hin.
T - Time (Zeit - SOFORT 112!)
Tritt auch nur eines dieser Symptome plötzlich auf: sofort den Notruf 112 wählen. Notiere den genauen Zeitpunkt des Symptombeginns - diese Angabe ist entscheidend für die Behandlungsentscheidung.
Weitere Symptome eines Schlaganfalls
Halbseitige Lähmung
Plötzliche Schwäche oder Lähmung einer Körperseite (Arm, Bein, Gesicht).
Sprachstörungen
Verwaschene Sprache (Dysarthrie) oder Schwierigkeiten beim Sprechen und Verstehen (Aphasie).
Sehstörungen
Plötzlicher Sehverlust auf einem Auge, Doppelbilder oder Gesichtsfeldausfälle.
Gleichgewichtsstörungen
Plötzliche Gangunsicherheit, Koordinationsstörung oder Fallneigung.
Vernichtungskopfschmerz
Plötzlich einsetzender, stärkster jemals erlebter Kopfschmerz (typisch bei Subarachnoidalblutung).
Bewusstseinsstörung
Plötzliche Verwirrtheit, Desorientiertheit oder Bewusstlosigkeit.
Häufige Fehler bei Verdacht auf Schlaganfall
Abwarten, ob sich die Symptome bessern: Schlaganfall-Symptome erfordern sofortiges Handeln. Jede Minute Verzögerung kostet Gehirnzellen.
Selbst ins Krankenhaus fahren: Der Rettungsdienst kann bereits unterwegs eine Voranmeldung im Stroke-Center veranlassen. So wird kostbare Zeit gewonnen.
Blutdruck eigenständig senken: Die Blutdruckregulation bei akutem Schlaganfall gehört ausschließlich in ärztliche Hand.
Medikamente (z. B. ASS) verabreichen: Bei einer Hirnblutung kann ASS die Blutung verstärken. Keine Medikamentengabe ohne ärztliche Anordnung.
Den Zeitpunkt des Symptombeginns nicht dokumentieren: Die exakte Uhrzeit ist entscheidend für die Wahl der Therapie (Thrombolyse ja/nein).
Eine TIA als harmlos abtun: Auch bei vorübergehenden Symptomen sofort 112 rufen. Die TIA ist ein Warnzeichen für einen drohenden Schlaganfall.
Kritische Zeitfenster
- Jede Minute zählt: Pro Minute sterben ca. 1,9 Millionen Nervenzellen ab. Frühe Behandlung verbessert das Outcome erheblich.
- Thrombolyse-Fenster: Maximal 4,5 Stunden nach Symptombeginn. Danach überwiegen die Blutungsrisiken den Nutzen.
- Thrombektomie-Fenster: Bis zu 24 Stunden bei nachgewiesenem rettbarem Hirngewebe (Penumbra) in der Bildgebung.
- TIA erfordert sofortige Abklärung: Das Schlaganfall-Risiko nach einer TIA ist in den ersten 48 Stunden am höchsten.
- Bildgebung vor Therapie: Ein CT muss eine Blutung ausschließen, bevor eine Thrombolyse eingeleitet werden darf.
Häufig gestellte Fragen
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Quellen und wissenschaftliche Grundlagen
- European Stroke Organisation (ESO): Guidelines for Management of Ischaemic Stroke and TIA, Update 2025 – https://eso-stroke.org/guidelines/
- American Heart Association / American Stroke Association: 2025 Guidelines for Early Management of Acute Ischemic Stroke – https://www.ahajournals.org/journal/str
- German Resuscitation Council (GRC): Reanimationsleitlinien 2025 – https://www.grc-org.de/leitlinien
- Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG): S2e-Leitlinie Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls, 2025 – https://www.dsg-info.de/leitlinien.html
- ILCOR: International Consensus on First Aid Science 2025 – https://www.ilcor.org
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