Erste Hilfe bei Reanimationsleitlinien 2025

Die wichtigsten Änderungen der ERC- und GRC-Leitlinien 2025 gegenüber 2021 – verständlich für Ersthelfende aufbereitet.

Soforthilfe bei Herz-Kreislauf-Stillstand

Wenn eine Person bewusstlos ist und nicht normal atmet: Sofort 112 anrufen und mit der Herzdruckmassage beginnen. Keine Zeit verlieren – jede Minute zählt.

112

Die Reanimationsleitlinien 2025 (ERC Guidelines 2025, GRC-Leitlinien 2025) bauen auf den ILCOR CoSTR-Empfehlungen auf und bestätigen die bewährten Maßnahmen der Ersthelfer-Reanimation. Die wichtigsten Neuerungen betreffen die Telefoneinstruktion durch die Rettungsleitstelle (T-CPR), die Empfehlung, CPR im Zweifelsfall zu beginnen, sowie klarere Vorgaben zur Qualität der Herzdruckmassage. Die grundlegenden Schritte – Prüfen, Rufen, Drücken, Beatmen – bleiben unverändert.

Alle fünf Jahre aktualisieren der European Resuscitation Council (ERC) und der German Resuscitation Council (GRC) ihre Leitlinien zur Reanimation. Die aktuelle Ausgabe 2025 basiert auf der systematischen Evidenzauswertung von ILCOR (International Liaison Committee on Resuscitation) und den daraus abgeleiteten Consensus on Science with Treatment Recommendations (CoSTR).

Für Ersthelfende ändert sich im Kernalgorithmus wenig: Die bewährte Reihenfolge aus Erkennen, Notruf, Herzdruckmassage und Beatmung bleibt bestehen. Die Leitlinien 2025 schärfen jedoch einzelne Empfehlungen, insbesondere zur Telefonreanimation, zur CPR-Qualität und zum frühzeitigen AED-Einsatz. Dieser Artikel ordnet die Änderungen ein und grenzt klar ab, was neu ist und was bereits galt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Grundalgorithmus für Laienhelfer bleibt unverändert: Prüfen – Rufen – Drücken – Beatmen.
  • Telefonreanimation (T-CPR) wird ausdrücklich empfohlen – die Leitstelle gibt Anweisung per Telefon.
  • Im Zweifelsfall soll CPR begonnen werden: Lieber einmal zu viel als zu wenig.
  • Die Herzdruckmassage-Qualität wird noch stärker betont: 100–120/min, 5–6 cm Tiefe, minimale Pausen.
  • Keine bisherige Empfehlung wurde als „neu" umdeklariert – die Leitlinien bestätigen und präzisieren.
  • AED-Einsatz soll so früh wie möglich erfolgen, auch parallel zur CPR.

Was hat sich gegenüber 2021 geändert?

Die Leitlinien 2025 sind eine Fortschreibung, kein Paradigmenwechsel. Die zentralen Änderungen gegenüber der Ausgabe 2021 lassen sich in mehreren Punkten zusammenfassen.

Die Telefonreanimation (Telephone CPR, T-CPR) wird erstmals als ausdrückliche Empfehlung auf der gleichen Ebene wie die direkte Laienreanimation formuliert. Rettungsleitstellen sollen Ersthelfende am Telefon Schritt für Schritt zur CPR anleiten, wenn diese unsicher sind oder keine Ausbildung haben. Studien zeigen, dass T-CPR die Zeit bis zum Beginn der Kompressionen signifikant verkürzt.

Die Empfehlung, im Zweifelsfall mit der CPR zu beginnen, wird noch klarer formuliert. Wenn nicht sicher beurteilt werden kann, ob eine Person atmet, soll die Herzdruckmassage gestartet werden. Eine unnötige CPR schadet nicht – ein verzögerter Beginn jedoch erheblich.

Die Qualität der Herzdruckmassage wird mit konkreteren Parametern hinterlegt: 100–120 Kompressionen pro Minute, 5–6 cm Drucktiefe bei Erwachsenen, vollständige Entlastung nach jeder Kompression und minimale Unterbrechungen (unter 10 Sekunden). Diese Werte galten bereits, werden aber 2025 mit größerem Nachdruck und mit Verweis auf Feedback-Geräte betont.

Was gilt weiterhin unverändert?

Die folgenden Maßnahmen waren bereits in den Leitlinien 2021 empfohlen und werden 2025 bestätigt – sie sind keine Neuerungen:

Das Verhältnis von 30 Kompressionen zu 2 Beatmungen bleibt für Erwachsene und Kinder durch Laienhelfer unverändert. Bei professionellen Helfern im Zwei-Helfer-Team bei Kindern gilt weiterhin 15:2.

Die Druckpunkt-Position in der Mitte des Brustkorbs, zwischen den Brustwarzen, bleibt bestehen. Die Drucktiefe von 5–6 cm bei Erwachsenen wurde bereits 2021 empfohlen und wird nicht angepasst.

Die AED-Anwendung durch Laien bleibt so früh wie möglich. Der AED gibt Sprachanweisungen und kann nicht falsch angewendet werden – diese Kernaussage gilt unverändert weiter.

Die stabile Seitenlage nach Wiederbeginn der Atmung und die Lagerung bei bewusstlosen, aber atmenden Personen bleiben wie bisher.

Erwachsenenreanimation nach Leitlinien 2025

1

Sicherheit und Reaktion prüfen

Eigensicherung, dann Reaktion prüfen: Person an den Schultern rütteln und laut ansprechen. Keine Reaktion = bewusstlos.

2

Notruf 112 veranlassen

Sofort 112 anrufen oder jemanden dazu anweisen. Die Leitstelle kann per Telefon zur CPR anleiten (T-CPR).

3

Atmung beurteilen

Maximal 10 Sekunden prüfen, ob die Person normal atmet. Schnappatmung zählt nicht als normale Atmung. Im Zweifel: CPR starten.

4

30 Thoraxkompressionen

Mitteilung des Brustkorbs, 5–6 cm tief, 100–120/min, volle Entlastung zwischen den Kompressionen.

5

2 Beatmungen

Atemwege öffnen (Kopf überstrecken, Kinn anheben), Nase zuhalten, 2 mal beatmen bis sich der Brustkorb hebt.

6

AED so früh wie möglich

Parallel zur CPR AED anbringen und den Sprachanweisungen folgen. Nach Analyse oder Schock sofort CPR fortsetzen.

Kinderreanimation – kurz eingeordnet

Bei Kindern ist die häufigste Ursache des Herz-Kreislauf-Stillstands respiratorisch, nicht kardial. Daher hat die Beatmung bei der Kinderreanimation ein höheres Gewicht als bei Erwachsenen.

Für Laienhelfer gilt weiterhin das 30:2-Verhältnis (30 Kompressionen, 2 Beatmungen). Professionelle Helfer im Zwei-Helfer-Team verwenden 15:2. Die Drucktiefe beträgt etwa 5 cm bzw. ein Drittel der Brustkorbtiefe. Die Frequenz bleibt bei 100–120 Kompressionen pro Minute.

Die Leitlinien 2025 bestätigen diese Werte. Eine eigenständige Änderung der Kinderreanimation gegenüber 2021 ist für Laienhelfer nicht vorgesehen. Die detaillierte Darstellung findet sich im separaten Artikel zur Kinderreanimation.

AED – kurz eingeordnet

Der AED (Automatisierter Externer Defibrillator) ist fester Bestandteil der Überlebenskette. Die Leitlinien 2025 bestätigen die Empfehlung, den AED so früh wie möglich anzuschließen – idealerweise parallel zur laufenden CPR, ohne diese länger als nötig zu unterbrechen.

Neu ist nicht der AED-Einsatz selbst, sondern die noch klarere Formulierung, dass der AED auch von ungeübten Laien bedient werden kann und soll. Die Sprachanweisungen des Geräts führen Schritt für Schritt durch die Anwendung. Es gibt keine Gegenanzeige für den Laieneinsatz.

Telefonreanimation (T-CPR)

Die Telefonreanimation ist eine der zentralen Neuerungen in den Leitlinien 2025. T-CPR bedeutet, dass die Rettungsleitstelle Ersthelfende am Telefon in Echtzeit zur Herzdruckmassage anleitet – auch wenn diese keine Ausbildung haben oder unsicher sind.

Studien aus den USA und Europa zeigen, dass T-CPR die Zeit bis zum ersten Kompressionsstoß um bis zu 60 Sekunden verkürzen kann. Die Leitlinien 2025 empfehlen Rettungsleitstellen, T-CPR routinemäßig anzubieten und ihre Disponenten entsprechend zu schulen.

Für Ersthelfende bedeutet das: Wenn du unsicher bist, was zu tun ist, rufe 112 an und folge den Anweisungen am Telefon. Du musst nicht alles aus dem Gedächtnis können.

Unterschiede zwischen Laien- und Fachmaßnahmen

MaßnahmeLaienhelferRettungsdienst
Kompressionen : Beatmung (Erwachsene)
Kompressionen : Beatmung (Kinder, 2 Helfer)
Telefonreanimation (T-CPR) anleiten
AED anwenden
Erweiterte Atemwegssicherung (Intubation)
Medikamentengabe (Adrenalin, Amiodaron)
Pulskontrolle

Häufig gestellte Fragen

Verwandte Themen

Quellen und wissenschaftliche Grundlagen

Zuletzt fachlich aktualisiert: 2025-10-15Redaktion: Redaktion erstehilfe.guide (Fachredaktion Erste Hilfe)

Die aktuellen Leitlinien praktisch anwenden

Theorie ist wichtig – Praxis rettet Leben. Trainiere die Reanimation nach ERC 2025 in einem zertifizierten Kurs mit professioneller Anleitung.

Reanimationskurs finden

Erweitere dein Wissen in Erste Hilfe

Mit unserer Erste-Hilfe-Wissen Datenbank kannst du alles rund um die Erstversorgung lesen. Ideal zur Kursvorbereitung und Vertiefung.

Zur Wissensdatenbank