Barotrauma beim Tauchen – Ohr, Nebenhöhlen, Lunge und Maske
Barotrauma entsteht durch Druckänderungen beim Ab- und Auftauchen. Ohr, Nebenhöhlen, Maske und Lunge sind betroffen. Red Flags sind Atemnot, Brustschmerz und neurologische Symptome.
Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder tauchmedizinische Ausbildung. Bei Verdacht auf einen Tauchnotfall gilt: Tauchgang beenden, Notruf absetzen, Sauerstoff verabreichen, Betroffenen überwachen und tauchmedizinische Beratung einholen.
Notfall-Schnellablauf Tauchnotfall
- 1Tauchgang beenden: Betroffenen aus dem Wasser holen, Tauchgang sofort abbrechen.
- 2Notruf absetzen: 112 anrufen – Verdacht auf Tauchunfall melden, Druckkammerberatung anfordern.
- 3100 % Sauerstoff: Sauerstoffgabe als Erste Hilfe nach Leitlage, sofern verfügbar und eingewiesen.
- 4Betroffenen überwachen: Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich kontrollieren.
- 5Tauchmedizinische Beratung: DAN/Taucherarzt über Rettungsleitstelle hinzuziehen.
Druckänderung und Gasvolumen
Beim Tauchen verändert sich der Umgebungsdruck mit der Tiefe. Beim Abtauchen steigt der Druck, beim Auftauchen sinkt er. Jeder gasgefüllte Hohlraum im Körper – Mittelohr, Nebenhöhlen, Lunge, Maske – unterliegt diesen Druckänderungen. Das Boyle-Mariotte-Gesetz beschreibt den Zusammenhang: bei steigendem Druck nimmt das Gasvolumen ab, bei sinkendem Druck dehnt es sich aus. Kann die Druckdifferenz nicht ausgeglichen werden, wirkt eine mechanische Kraft auf Schleimhäute und Gewebe – das Barotrauma.
Boyle-Mariotte-Gesetz beim Barotrauma
Beim Abtauchen komprimiert der steigende Druck die Luft in Ohr, Nebenhöhlen und Maske. Ohne Druckausgleich entsteht ein Unterdruck, der Gewebe ansaugt. Beim Auftauchen dehnt sich die Luft aus und kann Hohlräume überdehnen, wenn die Luft nicht entweichen kann. Beide Richtungen können ein Barotrauma verursachen.
Barotrauma des Ohrs
Das Mittelohr ist über die Eustachi-Röhre mit dem Rachen verbunden. Beim Abtauchen muss Luft über die Eustachi-Röhre ins Mittelohr strömen, um den Druck auszugleichen. Gelingt das nicht, entsteht ein Unterdruck im Mittelohr, der das Trommelfell nach innen zieht. Symptome sind Druck, Schmerz und ein dumpfes Hören. Im schlimmsten Fall reißt das Trommelfell.
Barotrauma der Nebenhöhlen
Die Nebenhöhlen sind über schmale Gänge mit der Nasenhöhle verbunden. Beim Abtauchen muss Luft in die Nebenhöhlen strömen. Bei verschwollenen Schleimhäuten kann der Druckausgleich blockiert werden – es entsteht Unterdruck, Schmerz und im schlimmsten Fall ein Schleimhautriss mit Blutung. Beim Auftauchen kann eingeschlossene Luft die Nebenhöhlen überdehnen, wenn die Gänge blockiert sind.
Masken-Barotrauma
Die Tauchmaske umschließt Augen und Nase. Beim Abtauchen entsteht in der Maske ein Unterdruck, wenn nicht ausgeatmet wird. Das kann zu Blutergüssen an Augen, Haut und Schleimhäuten führen. Das Masken-Barotrauma ist vermeidbar: beim Abtauchen leicht durch die Nase in die Maske ausatmen.
Lungenbarotrauma
Das Lungenbarotrauma ist die schwerste Form der Barotrauma-Verletzungen. Es entsteht beim Auftauchen, wenn die Luft in der Lunge nicht abgeatmet wird und sich ausdehnt. Die Folge kann ein Lungenriss, ein Pneumothorax oder eine arterielle Gasembolie sein. Das Lungenbarotrauma ist ein akuter, lebensbedrohlicher Notfall.
- Ursache: Ausdehnung der Lungenluft beim Auftauchen ohne Ausatmen.
- Folge: Lungenriss, Pneumothorax, arterielle Gasembolie.
- Bereits in geringer Tiefe möglich – nicht nur beim Tieftauchen.
Warnzeichen eines Barotraumas
Ohrschmerz
Druck, Schmerz oder dumpfes Hören beim Ab- oder Auftauchen.
Nebenhöhlenschmerz
Druck oder Schmerz über Stirn, Wange oder hinter den Augen.
Blutung
Sichtbares Blut im Maskenwasser oder beim Ausatmen – kann auf Schleimhautriss hindeuten.
Atemnot
Plötzliche Atemnot nach dem Auftauchen – Warnzeichen für Lungenbarotrauma.
Brustschmerz
Druck, Stechen oder Enge in der Brust nach dem Auftauchen.
Neurologische Symptome
Lähmung, Taubheit, Sprachstörung, Sehstörung – Verdacht auf arterielle Gasembolie.
Bluthusten
Husten mit Blut – möglich bei Lungenverletzung.
Bewusstseinsstörung
Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit nach dem Auftauchen – akuter Notfall.
Wann den Tauchgang abbrechen
- 1
Druckausgleich nicht möglich
Wenn der Druckausgleich beim Abtauchen nicht gelingt: nicht mit Gewalt weiter abtauchen. Tauchgang abbrechen.
- 2
Schmerz
Anhaltender Schmerz im Ohr, in den Nebenhöhlen oder in der Brust: Tauchgang sofort beenden.
- 3
Atemnot oder Brustschmerz
Atemnot, Brustschmerz oder neurologische Symptome nach dem Auftauchen: Notruf, Sauerstoff, keine weiteren Tauchgänge.
- 4
Blutung
Sichtbare Blutung aus Ohr, Nase oder nach Husten: Tauchgang abbrechen und ärztlich abklären.
Keine Gewalt beim Druckausgleich
Druckausgleich darf nie mit Gewalt erzwungen werden. Zu starkes Pressen beim Valsalva-Manöver kann das Trommelfell schädigen oder das Innenohr beeinträchtigen. Wenn der Druckausgleich nicht gelingt: auf gleicher Tiefe stoppen, leicht aufsteigen, erneut versuchen. Gelingt es nicht: Tauchgang abbrechen.
- Kein forciertes Valsalva-Manöver.
- Nicht mit Schmerz weiter abtauchen.
- Bei anhaltendem Schmerz Tauchgang beenden.
Infekt, Schleimhautschwellung und Erkältung als Risikofaktoren
Ein akuter Infekt der Atemwege, eine Erkältung oder eine Schleimhautschwellung können die Gänge zu Ohr und Nebenhöhlen blockieren. Der Druckausgleich gelingt dann nicht oder nur unzureichend. Bei Erkältungssymptomen sollte ein Tauchgang verantwortungsvoll verschoben werden. Auch abschwellende Nasensprays können die Schleimhaut zwar öffnen, aber die Wirkung kann während des Tauchgangs nachlassen – dann droht beim Auftauchen ein inverses Barotrauma.
Red Flags – sofort den Notruf absetzen
Folgende Symptome nach einem Tauchgang sind Red Flags und erfordern sofort den Notruf 112 und Sauerstoffgabe als Erste Hilfe:
- Atemnot
- Brustschmerz
- Neurologische Symptome (Lähmung, Taubheit, Sprachstörung, Sehstörung)
- Bluthusten
- Bewusstseinsstörung
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