Druck beim Tauchen – Tiefe, Partialdruck, Gasvolumen und Löslichkeit
Der Umgebungsdruck steigt pro 10 m um 1 bar. Boyle-Mariotte, Henry und Dalton erklären Barotrauma, Dekompressionskrankheit, Sauerstofftoxizität und Stickstoffnarkose.
Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder tauchmedizinische Ausbildung. Bei Verdacht auf einen Tauchnotfall gilt: Tauchgang beenden, Notruf absetzen, Sauerstoff verabreichen, Betroffenen überwachen und tauchmedizinische Beratung einholen.
Notfall-Schnellablauf Tauchnotfall
- 1Tauchgang beenden: Betroffenen aus dem Wasser holen, Tauchgang sofort abbrechen.
- 2Notruf absetzen: 112 anrufen – Verdacht auf Tauchunfall melden, Druckkammerberatung anfordern.
- 3100 % Sauerstoff: Sauerstoffgabe als Erste Hilfe nach Leitlage, sofern verfügbar und eingewiesen.
- 4Betroffenen überwachen: Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich kontrollieren.
- 5Tauchmedizinische Beratung: DAN/Taucherarzt über Rettungsleitstelle hinzuziehen.
Umgebungsdruck beim Tauchen
Der Umgebungsdruck ist der Druck, der auf den Körper wirkt. An der Wasseroberfläche herrscht der atmosphärische Druck von etwa 1 bar. Unter Wasser kommt der Druck der Wassersäule hinzu: pro 10 m Wassertiefe steigt der Druck um etwa 1 bar. Der absolute Druck ist die Summe aus atmosphärischem Druck und Wasserdruck.
Umgebungsdruck in verschiedenen Tiefen
| Tiefe | Wasserdruck | Atmosphärischer Druck | Absoluter Druck |
|---|---|---|---|
| 0 m (Oberfläche) | 0 bar | 1 bar | 1 bar |
| 10 m | 1 bar | 1 bar | 2 bar |
| 20 m | 2 bar | 1 bar | 3 bar |
| 30 m | 3 bar | 1 bar | 4 bar |
| 40 m | 4 bar | 1 bar | 5 bar |
Diese Werte sind Orientierungswerte für Druckluft. In der Praxis können Gezeiteneinflüsse und Dichteunterschiede kleine Abweichungen erzeugen.
Zusammenhang Tiefe und Druck
Der Umgebungsdruck steigt linear mit der Tiefe: pro 10 m Wassertiefe kommt etwa 1 bar dazu. Das bedeutet, dass in 10 m Tiefe der doppelte Druck herrscht wie an der Oberfläche, in 20 m Tiefe der dreifache Druck und so weiter. Dieser Zusammenhang ist die Grundlage aller physikalischen Vorgänge beim Tauchen.
Boyle-Mariotte-Gesetz – Gasvolumen und Druck
Das Boyle-Mariotte-Gesetz besagt: bei konstanter Temperatur sind Druck und Volumen eines Gases umgekehrt proportional. Steigt der Druck, sinkt das Volumen – und umgekehrt. Beim Abtauchen wird die Luft in den Hohlräumen komprimiert, beim Auftauchen dehnt sie sich aus. Dieses Gesetz erklärt Barotraumen und Lungenüberdehnung.
Henry-Gesetz – Gaslöslichkeit unter Druck
Das Henry-Gesetz besagt: je höher der Druck, desto mehr Gas lässt sich in einer Flüssigkeit lösen. Beim Tauchen wird unter erhöhtem Druck mehr Stickstoff im Blut und im Gewebe gelöst. Beim Auftauchen sinkt der Druck, und der Stickstoff muss wieder abgeatmet werden. Dieses Gesetz erklärt die Entstehung der Dekompressionskrankheit.
Dalton-Gesetz – Partialdrücke
Das Dalton-Gesetz besagt: der Gesamtdruck eines Gasgemisches ist die Summe der Partialdrücke der einzelnen Gase. Luft besteht aus etwa 21 % Sauerstoff und 78 % Stickstoff. Der Partialdruck jedes Gases steigt mit dem Umgebungsdruck. Dieses Gesetz erklärt Sauerstofftoxizität und Stickstoffnarkose.
Bedeutung der Gasgesetze für Tauchrisiken
Barotrauma
Boyle-Mariotte
Gasvolumen ändert sich mit dem Druck – Hohlräume wie Ohr, Nebenhöhlen, Lunge und Maske sind betroffen.
Dekompressionskrankheit
Henry
Unter Druck gelöstes Gas bildet beim Auftauchen Blasen, wenn es nicht langsam abgeatmet wird.
Sauerstofftoxizität
Dalton
Der Sauerstoffpartialdruck steigt mit der Tiefe – ab einem kritischen Wert wird Sauerstoff toxisch.
Stickstoffnarkose
Dalton
Der Stickstoffpartialdruck steigt mit der Tiefe – ab einer bestimmten Tiefe wirkt Stickstoff narkotisch.
Entdecker und Namensgeber
Robert Boyle / Edme Mariotte
Boyle-Mariotte-Gesetz: Zusammenhang zwischen Druck und Gasvolumen. Boyle (17. Jh., Irland), Mariotte (17. Jh., Frankreich).
William Henry
Henry-Gesetz: Gaslöslichkeit in Flüssigkeiten unter Druck. Henry (19. Jh., England).
John Dalton
Dalton-Gesetz: Partialdrücke in Gasgemischen. Dalton (19. Jh., England).
Paul Bert
Paul-Bert-Effekt: akute ZNS-Sauerstofftoxizität. Bert (19. Jh., Frankreich).
James Lorrain Smith
Lorrain-Smith-Effekt: pulmonale Sauerstofftoxizität. Lorrain Smith (20. Jh., Schottland).
Einfache Rechenbeispiele
Beispiel 1: Ein Gasvolumen von 5 Litern an der Oberfläche hat in 10 m Tiefe (2 bar) nur noch 2,5 Liter. Beim Auftauchen dehnt es sich wieder auf 5 Liter aus. Beispiel 2: Luft hat 21 % Sauerstoff. An der Oberfläche (1 bar) beträgt der Sauerstoffpartialdruck 0,21 bar. In 30 m Tiefe (4 bar) steigt er auf 0,84 bar. Diese Beispiele dienen der Orientierung und ersetzen keine Ausbildung im Tauchen mit Nitrox oder technischen Gasen.
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Quellen und weiterführende Informationen
Kurse und Einweisungen auf Anfrage
Kurse und Einweisungen zu Sauerstoffgabe, AED, Erste Hilfe und Notfallmanagement bei Tauchnotfällen sind auf Anfrage bei Erste Hilfe Guide möglich.
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