Dekompressionskrankheit beim Tauchen – Entstehung, Symptome und Erste Hilfe
Die Dekompressionskrankheit entsteht, wenn inertes Gas (meist Stickstoff) bei zu schnellem Auftauchen Blasen im Gewebe und Blutkreislauf bildet. Erste-Hilfe-Schwerpunkt sind Notruf, 100 % Sauerstoff und Flachlagerung.
Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder tauchmedizinische Ausbildung. Bei Verdacht auf einen Tauchnotfall gilt: Tauchgang beenden, Notruf absetzen, Sauerstoff verabreichen, Betroffenen überwachen und tauchmedizinische Beratung einholen.
Notfall-Schnellablauf Tauchnotfall
- 1Tauchgang beenden: Betroffenen aus dem Wasser holen, Tauchgang sofort abbrechen.
- 2Notruf absetzen: 112 anrufen – Verdacht auf Tauchunfall melden, Druckkammerberatung anfordern.
- 3100 % Sauerstoff: Sauerstoffgabe als Erste Hilfe nach Leitlage, sofern verfügbar und eingewiesen.
- 4Betroffenen überwachen: Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich kontrollieren.
- 5Tauchmedizinische Beratung: DAN/Taucherarzt über Rettungsleitstelle hinzuziehen.
Henry-Gesetz – verständlich erklärt
Das Henry-Gesetz besagt: Je höher der Druck, desto mehr Gas lässt sich in einer Flüssigkeit lösen. Beim Tauchen atmet der Körper unter erhöhtem Umgebungsdruck Luft aus der Flasche. Der darin enthaltene Stickstoff wird unter Druck im Gewebe und im Blut gelöst – je tiefer und je länger getaucht wird, desto mehr. Beim Auftauchen sinkt der Druck, und der gelöste Stickstoff muss wieder über die Lunge abgeatmet werden. Geschieht das zu schnell, bilden sich Blasen.
Stickstoffaufnahme unter Druck
Während des Tauchgangs nimmt der Körper Stickstoff proportional zum Umgebungsdruck auf. In 10 m Tiefe herrscht der doppelte Druck an der Oberfläche – das Gewebe nimmt also mehr Stickstoff auf als an Land. Die Aufnahmerate hängt von der Tiefe, der Dauer des Tauchgangs und der Durchblutung des jeweiligen Gewebes ab. Gut durchblutete Organe wie das Gehirn nehmen Stickstoff schneller auf als schlecht durchblutetes Gewebe wie Gelenke.
Blasenbildung beim zu schnellen Auftauchen
Beim Auftauchen sinkt der Umgebungsdruck. Der im Körper gelöste Stickstoff muss langsam über die Lunge abgeatmet werden. Wird zu schnell aufgetaucht oder werden vorgeschriebene Dekompressionsstopps ausgelassen, kann der Stickstoff nicht schnell genug abtransportiert werden. Es bilden sich Gasblasen im Gewebe oder im Blutkreislauf. Diese Blasen können Gefäße verlegen, Gewebe schädigen und das Rückenmark oder das Gehirn beeinträchtigen.
- Blasen im Gewebe verursachen Schmerzen und Entzündungen.
- Blasen im Blutkreislauf können Gefäße verlegen und Organschäden auslösen.
- Blasen im Rückenmark können Lähmung und Taubheit verursachen.
Schweregrade der Dekompressionskrankheit
Milde DCS (Typ 1)
DCS I
Hautsymptome wie Juckreiz oder Marmorierung, leichte Gelenk- oder Muskelschmerzen. Keine neurologischen Ausfälle. Trotzdem ernst zu nehmen und ärztlich abklären.
Schwere DCS (Typ 2)
DCS II
Beteiligung des Zentralnervensystems, des Rückenmarks oder des Innenohrs. Lähmung, Taubheit, Schwindel, Hörverlust, Koordinationsstörungen. Lebensbedrohlich.
Neurologische DCS
ZNS-Beteiligung
Symptome wie Lähmung, Sprachstörung, Sehstörung, Bewusstseinsstörung. Erfordert sofortige notfallmedizinische Versorgung und Druckkammerbehandlung.
Typische Symptome
Hautsymptome
Juckreiz, Marmorierung, Ausschlag – oft an Rumpf, Schultern oder Oberschenkeln.
Gelenkschmerzen
Schmerzen in großen Gelenken (Schulter, Knie, Hüfte), die sich nicht durch Verletzung erklären lassen.
Neurologische Ausfälle
Lähmung, Taubheit, Koordinationsstörung, Sprachstörung, Sehstörung, Schwindel.
Atemnot
Atemnot, Husten, Engegefühl in der Brust – möglich bei Lungenbeteiligung.
Bewusstseinsstörung
Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit – Zeichen einer schweren DCS.
Warum Symptome auch verzögert auftreten können
Dekompressionskrankheit muss nicht sofort nach dem Auftauchen auftreten. Symptome können sich erst Minuten bis Stunden nach dem Tauchgang entwickeln – besonders wenn der Betroffene sich körperlich anstrengt, sich aufhält oder Alkohol konsumiert. DAN und die GTÜM/AWMF-Leitlinie weisen darauf hin, dass auch Stunden nach dem Tauchgang auftretende Symptome als Tauchnotfall zu werten sind.
Erste-Hilfe-Ablauf bei Verdacht auf DCS
- 1
Tauchgang beenden
Betroffenen aus dem Wasser holen, keinen weiteren Tauchgang durchführen.
- 2
Notruf 112
Rettungsdienst rufen, Verdacht auf Dekompressionsunfall melden, Druckkammerberatung anfordern.
- 3
100 % Sauerstoff
Sauerstoffgabe als Erste Hilfe, sofern ein geeignetes System verfügbar ist und der Anwender eingewiesen ist.
- 4
Wärmeerhalt
Betroffenen vor Auskühlung schützen, nasse Kleidung entfernen, Decke oder Rettungsdecke verwenden.
- 5
Flüssigkeit
Nur bei wachem, schluckfähigem Patienten und ohne Übelkeit oder Erbrechen: kleine Schlucke Wasser oder isotonische Lösung.
- 6
Keine erneuten Tauchgänge
Auf keinen Fall erneut tauchen – auch nicht, um Symptome „wegzutauchen".
- 7
Monitoring
Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich überwachen.
- 8
Übergabe mit Tauchprofil
Tauchprofil, Gas, Tiefe, Zeit, Aufstieg, Sicherheitsstopps und Vorerkrankungen für den Rettungsdienst bereithalten.
Abgrenzung: Definitive Therapie ist ärztlich
Die definitive Behandlung einer schweren Dekompressionskrankheit erfolgt ärztlich – in der Regel durch hyperbare Sauerstofftherapie in einer Druckkammer. Die Sauerstoffgabe an Land ist eine Erste-Hilfe-Maßnahme, die Zeit überbrückt, bis professionelle Hilfe eintrifft. Sie ersetzt keine ärztliche Diagnostik und keine Druckkammerbehandlung. Die Entscheidung über die Therapie trifft der Rettungsdienst bzw. der Taucherarzt.
- Sauerstoffgabe an Land = Erste Hilfe, keine Therapie.
- Druckkammerbehandlung = ärztliche Therapie, nur durch Rettungsdienst veranlasst.
- Therapieempfehlungen nach Leitlinie dienen nur als Orientierung für Ersthelfer und Ausbilder.
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Quellen und weiterführende Informationen
Kurse und Einweisungen auf Anfrage
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