Tauchnotfall erkennen – Warnzeichen nach dem Tauchgang
Ein Tauchnotfall kann sich sofort oder erst Stunden nach dem Tauchgang zeigen. Jede neurologische Auffälligkeit, Atemnot, Brustschmerz oder ungewöhnliche Müdigkeit ist ernst zu nehmen – auch leichte Symptome.
Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder tauchmedizinische Ausbildung. Bei Verdacht auf einen Tauchnotfall gilt: Tauchgang beenden, Notruf absetzen, Sauerstoff verabreichen, Betroffenen überwachen und tauchmedizinische Beratung einholen.
Notfall-Schnellablauf Tauchnotfall
- 1Tauchgang beenden: Betroffenen aus dem Wasser holen, Tauchgang sofort abbrechen.
- 2Notruf absetzen: 112 anrufen – Verdacht auf Tauchunfall melden, Druckkammerberatung anfordern.
- 3100 % Sauerstoff: Sauerstoffgabe als Erste Hilfe nach Leitlage, sofern verfügbar und eingewiesen.
- 4Betroffenen überwachen: Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich kontrollieren.
- 5Tauchmedizinische Beratung: DAN/Taucherarzt über Rettungsleitstelle hinzuziehen.
Was ist ein Tauchnotfall?
Ein Tauchnotfall ist jedes gesundheitliche Ereignis, das während oder nach einem Tauchgang auftritt und auf eine druckbedingte Verletzung, ein Barotrauma, eine Dekompressionskrankheit oder eine arterielle Gasembolie zurückzuführen sein kann. Dazu gehören auch Unfälle und Erkrankungen, die durch Kälte, Überanstrengung oder Vorerkrankungen begünstigt werden. Ein Tauchnotfall ist ein medizinischer Notfall – auch wenn die Symptome zunächst mild wirken.
Warnzeichen direkt nach dem Tauchgang
Bewusstseinsstörung
Verwirrtheit, Benommenheit, Bewusstlosigkeit – besonders in den ersten Minuten nach dem Auftauchen.
Atemnot
Plötzliche Kurzatmigkeit, erschwerte Atmung oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.
Brustschmerz
Druck, Stechen oder Enge in der Brust – kann auf ein Lungenbarotrauma hindeuten.
Neurologische Ausfälle
Lähmung, Taubheit, Sehstörung, Sprachstörung, Schwindel, einseitige Schwäche.
Hautsymptome
Marmorierung, Juckreiz, Hautausschlag ohne andere erkennbare Ursache.
Gelenk- oder Muskelschmerzen
Schmerzen in Gelenken, Muskeln oder Gliedmaßen, die sich nicht durch Verletzung erklären lassen.
Ungewöhnliche Müdigkeit
Außergewöhnliche Erschöpfung, Antriebslosigkeit, die nicht zur Belastung des Tauchgangs passt.
Warnzeichen verzögert nach Minuten bis Stunden
Verzögerte neurologische Symptome
Lähmung, Taubheit, Sprachstörung oder Sehstörung, die erst Minuten bis Stunden nach dem Tauchgang auftreten.
Späte Schmerzen
Gelenk- oder Muskelschmerzen, die erst nach dem Tauchgang beginnen und nicht durch Verletzung erklärbar sind.
Hautveränderungen
Marmorierung oder Ausschlag, die erst nach der Rückkehr vom Tauchplatz sichtbar werden.
Allmähliche Bewusstseinsstörung
Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder Verlangsamung, die sich über Stunden entwickelt.
Dekompressionskrankheit kann sich erst Stunden nach dem Tauchgang manifestieren. Auch scheinbar harmlose Symptome nach dem Tauchen sind ernst zu nehmen.
Warum auch leichte Symptome ernst genommen werden müssen
Leichte Symptome wie Müdigkeit, leichter Schmerz oder ein „Kribbeln" können die ersten Anzeichen einer schweren Dekompressionskrankheit oder arteriellen Gasembolie sein. Wer leichte Symptome ignoriert, verliert wertvolle Zeit für die Sauerstoffgabe und die notfallmedizinische Versorgung. Die GTÜM/AWMF-Leitlinie und DAN empfehlen ausdrücklich, jeden Verdacht auf einen Tauchnotfall ernst zu nehmen und die Rettungsleitstelle zu informieren.
Sofortmaßnahmen bei Verdacht auf Tauchnotfall
- 1
Tauchgang beenden
Betroffenen aus dem Wasser holen, weiteren Tauchgang sofort abbrechen.
- 2
Notruf 112
Rettungsdienst rufen, Verdacht auf Tauchunfall melden, Druckkammerberatung über die Leitstelle anfordern.
- 3
100 % Sauerstoff
Sauerstoffgabe als Erste Hilfe, sofern ein geeignetes System verfügbar ist und der Anwender eingewiesen ist.
- 4
Betroffenen lagern
Flachlagerung bei wachem Patienten, stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit mit Atmung, Reanimation bei Kreislaufstillstand.
- 5
Wärmeerhalt
Betroffenen vor Auskühlung schützen, nasse Kleidung entfernen, Rettungsdecke oder Decke verwenden.
- 6
Monitoring
Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich überwachen bis der Rettungsdienst eintrifft.
- 7
Tauchdaten bereithalten
Tauchprofil, Tiefe, Zeit, Gas, Aufstiegsgeschwindigkeit, Sicherheitsstopps und Vorerkrankungen für die Übergabe dokumentieren.
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Quellen und weiterführende Informationen
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