Erste Hilfe bei Akute Belastungsreaktion - Psychische Erste Hilfe nach Trauma
Eine akute Belastungsreaktion ist eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis. Lerne wie du Betroffene stabilisierst und begleitest.
Eine akute Belastungsreaktion (ABR) tritt unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis auf - Unfalle, Gewalterfahrungen, plotzliche Todesfalle oder Katastrophen. Die Symptome sind eine NORMALE Reaktion des Korpers auf eine ABNORMALE Situation.
Die psychische Erste Hilfe (PFA - Psychological First Aid) ist keine Therapie, sondern eine stabilisierende Begleitung in den ersten Stunden und Tagen. Sie kann Folgestorungen wie PTBS deutlich reduzieren.
Jeder kann psychische Erste Hilfe leisten - es braucht keine psychologische Ausbildung, sondern Empathie, Ruhe und Grundwissen.
Symptome einer akuten Belastungsreaktion
Emotionale Reaktionen
Korperliche Reaktionen
Kognitive Reaktionen
Psychische Erste Hilfe - Die 5 Grundprinzipien
Sicherheit herstellen
Bringe die Person aus der Gefahrenzone. Schaffe eine ruhige, sichere Umgebung. Schutze vor Schaulustigen und Medien.
Beruhigung und Stabilisierung
Sprich ruhig und langsam. Sage: "Du bist jetzt sicher. Das hier ist vorbei." Korperliche Nahe anbieten (nur wenn gewunscht). Atemubungen anleiten.
Verbundenheit fordern
Kontaktperson benachrichtigen (Familie, Freunde). Soziale Unterstutzung organisieren. Niemand sollte alleine gelassen werden.
Selbstwirksamkeit starken
Einfache Entscheidungen anbieten ("Mochtest du Wasser?"). Person nicht bevormunden. Eigene Bewaltigungsfahigkeiten anerkennen.
Hoffnung vermitteln
Normalisieren der Reaktionen: "Was du fuhlst ist normal." Perspektive geben: "Das wird besser mit der Zeit." Professionelle Hilfe anbieten.
Haufige Fehler bei psychischer Erster Hilfe
NIEMALS sagen "Reiß dich zusammen" oder "Andere haben es schlimmer". Dies wertet das Erleben ab und schadet.
NICHT zum Reden zwingen. Manche Menschen brauchen Stille. Praesenz reicht oft aus.
KEINE Details des Ereignisses erfragen. Kein "Was ist genau passiert?" - das kann retraumatisieren.
NICHT bagatellisieren: "Wird schon wieder" oder "War doch nicht so schlimm" ist schaedlich.
KEINEN Alkohol oder Beruhigungsmittel anbieten. Das verzogert die naturliche Verarbeitung.
NICHT die eigenen Erfahrungen in den Vordergrund stellen: "Mir ist auch mal..." ist unangemessen.
Besondere Personengruppen
Kinder
Brauchen besondere Betreuung
- Einfache klare Sprache verwenden
- Korperliche Nahe und Sicherheit bieten
- Ehrlich sein aber kindgerecht erklaren
- Routine so schnell wie moglich wiederherstellen
- Spielen und Malen als Verarbeitung ermoglichen
Altere Menschen
Verlusterleben anders
- Geduld und mehr Zeit fur Verarbeitung
- Vorhandene Bewaltigungsstrategien aktivieren
- Medizinische Versorgung sicherstellen
- Soziale Isolation vermeiden
Ersthelfer und Einsatzkrafte
Sekundartraumatisierung moglich
- Eigene Grenzen erkennen und akzeptieren
- Kollegiale Ersthilfe (CISM) nutzen
- Nachbesprechung (Defusing) anbieten
- Professionelle Supervision bei Bedarf
Wann professionelle Hilfe notig ist
- Symptome bestehen langer als 4 Wochen unverandert
- Person kann Alltag nicht mehr bewaltigen (Arbeit, Beziehungen)
- Suizidale Gedanken oder Selbstverletzung
- Massiver Substanzmissbrauch als Bewaltigungsstrategie
- Dauerhafte Dissoziation oder Flashbacks
- Person zieht sich komplett zuruck und spricht mit niemandem
Häufig gestellte Fragen
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Quellen und wissenschaftliche Grundlagen
- WHO - Psychological First Aid: Guide for Field Workers 2025
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) - Psychosoziale Notfallversorgung 2025
- DGPPN - S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung 2025
- International Society for Traumatic Stress Studies (ISTSS) 2025
- German Resuscitation Council (GRC) - Psychische Erste Hilfe 2025 - https://www.grc-org.de/wissenschaft/leitlinien
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