Erste Hilfe bei Akute Belastungsreaktion - Psychische Erste Hilfe nach Trauma

Eine akute Belastungsreaktion ist eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis. Lerne wie du Betroffene stabilisierst und begleitest.

Eine akute Belastungsreaktion (ABR) tritt unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis auf - Unfalle, Gewalterfahrungen, plotzliche Todesfalle oder Katastrophen. Die Symptome sind eine NORMALE Reaktion des Korpers auf eine ABNORMALE Situation.

Die psychische Erste Hilfe (PFA - Psychological First Aid) ist keine Therapie, sondern eine stabilisierende Begleitung in den ersten Stunden und Tagen. Sie kann Folgestorungen wie PTBS deutlich reduzieren.

Jeder kann psychische Erste Hilfe leisten - es braucht keine psychologische Ausbildung, sondern Empathie, Ruhe und Grundwissen.

Symptome einer akuten Belastungsreaktion

Emotionale Reaktionen

Angst und Panik: Uberwaltigendes Angstgefuhl, Herzrasen, Zittern, Gefuhl der Hilflosigkeit.
Weinen oder Erstarrung: Heftiges Weinen oder im Gegenteil vollige emotionale Taubheit (Dissoziation).
Wut oder Schuldgefuhle: Ungerechtfertigte Selbstvorwurfe oder aggressive Reaktionen auf die Situation.
Unrealitatsgefuhl: Gefuhl "das kann nicht wahr sein", Derealisation, wie in einem Film.

Korperliche Reaktionen

Herzrasen und Schwitzen: Sympathikus-Aktivierung durch Stresshormone (Adrenalin, Cortisol).
Zittern und Ubelkeit: Muskelzittern, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel.
Hyperventilation: Schnelle flache Atmung als Ausdruck der Ubererregung.
Erschopfung: Plotzliche tiefe Mudigkeit nach dem Ereignis.

Kognitive Reaktionen

Konzentrationsstorungen: Unfhigkeit klare Gedanken zu fassen oder Entscheidungen zu treffen.
Erinnerungslucken: Teilweise oder vollstandige Amnesie fur das Ereignis.
Flashbacks: Unwillkurliche Wiedererlebensbilder des Ereignisses.
Desorientierung: Zeitliche und raumliche Orientierung kann gestort sein.

Psychische Erste Hilfe - Die 5 Grundprinzipien

1

Sicherheit herstellen

Bringe die Person aus der Gefahrenzone. Schaffe eine ruhige, sichere Umgebung. Schutze vor Schaulustigen und Medien.

2

Beruhigung und Stabilisierung

Sprich ruhig und langsam. Sage: "Du bist jetzt sicher. Das hier ist vorbei." Korperliche Nahe anbieten (nur wenn gewunscht). Atemubungen anleiten.

3

Verbundenheit fordern

Kontaktperson benachrichtigen (Familie, Freunde). Soziale Unterstutzung organisieren. Niemand sollte alleine gelassen werden.

4

Selbstwirksamkeit starken

Einfache Entscheidungen anbieten ("Mochtest du Wasser?"). Person nicht bevormunden. Eigene Bewaltigungsfahigkeiten anerkennen.

5

Hoffnung vermitteln

Normalisieren der Reaktionen: "Was du fuhlst ist normal." Perspektive geben: "Das wird besser mit der Zeit." Professionelle Hilfe anbieten.

Haufige Fehler bei psychischer Erster Hilfe

NIEMALS sagen "Reiß dich zusammen" oder "Andere haben es schlimmer". Dies wertet das Erleben ab und schadet.

NICHT zum Reden zwingen. Manche Menschen brauchen Stille. Praesenz reicht oft aus.

KEINE Details des Ereignisses erfragen. Kein "Was ist genau passiert?" - das kann retraumatisieren.

NICHT bagatellisieren: "Wird schon wieder" oder "War doch nicht so schlimm" ist schaedlich.

KEINEN Alkohol oder Beruhigungsmittel anbieten. Das verzogert die naturliche Verarbeitung.

NICHT die eigenen Erfahrungen in den Vordergrund stellen: "Mir ist auch mal..." ist unangemessen.

Besondere Personengruppen

Kinder

Brauchen besondere Betreuung

  • Einfache klare Sprache verwenden
  • Korperliche Nahe und Sicherheit bieten
  • Ehrlich sein aber kindgerecht erklaren
  • Routine so schnell wie moglich wiederherstellen
  • Spielen und Malen als Verarbeitung ermoglichen

Altere Menschen

Verlusterleben anders

  • Geduld und mehr Zeit fur Verarbeitung
  • Vorhandene Bewaltigungsstrategien aktivieren
  • Medizinische Versorgung sicherstellen
  • Soziale Isolation vermeiden

Ersthelfer und Einsatzkrafte

Sekundartraumatisierung moglich

  • Eigene Grenzen erkennen und akzeptieren
  • Kollegiale Ersthilfe (CISM) nutzen
  • Nachbesprechung (Defusing) anbieten
  • Professionelle Supervision bei Bedarf

Wann professionelle Hilfe notig ist

  • Symptome bestehen langer als 4 Wochen unverandert
  • Person kann Alltag nicht mehr bewaltigen (Arbeit, Beziehungen)
  • Suizidale Gedanken oder Selbstverletzung
  • Massiver Substanzmissbrauch als Bewaltigungsstrategie
  • Dauerhafte Dissoziation oder Flashbacks
  • Person zieht sich komplett zuruck und spricht mit niemandem

Häufig gestellte Fragen

Verwandte Themen

Quellen und wissenschaftliche Grundlagen

  • WHO - Psychological First Aid: Guide for Field Workers 2025
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) - Psychosoziale Notfallversorgung 2025
  • DGPPN - S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung 2025
  • International Society for Traumatic Stress Studies (ISTSS) 2025
  • German Resuscitation Council (GRC) - Psychische Erste Hilfe 2025 - https://www.grc-org.de/wissenschaft/leitlinien
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