Unterkühlung beim Tauchen – Nassanzug, Halbtrockenanzug und Trockentauchanzug

Wasser kühlt den Körper schneller aus als Luft. Nassanzug, Halbtrockenanzug und Trockentauchanzug schützen unterschiedlich. Warnzeichen reichen von Zittern bis Apathie.

Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder tauchmedizinische Ausbildung. Bei Verdacht auf einen Tauchnotfall gilt: Tauchgang beenden, Notruf absetzen, Sauerstoff verabreichen, Betroffenen überwachen und tauchmedizinische Beratung einholen.

Notfall-Schnellablauf Tauchnotfall

  1. 1
    Tauchgang beenden: Betroffenen aus dem Wasser holen, Tauchgang sofort abbrechen.
  2. 2
    Notruf absetzen: 112 anrufen – Verdacht auf Tauchunfall melden, Druckkammerberatung anfordern.
  3. 3
    100 % Sauerstoff: Sauerstoffgabe als Erste Hilfe nach Leitlage, sofern verfügbar und eingewiesen.
  4. 4
    Betroffenen überwachen: Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich kontrollieren.
  5. 5
    Tauchmedizinische Beratung: DAN/Taucherarzt über Rettungsleitstelle hinzuziehen.

Wärmeverlust im Wasser

Der Körper verliert im Wasser deutlich schneller Wärme als an Land. Wasser hat eine viel höhere Wärmeleitfähigkeit als Luft – der Körper gibt im Wasser auch bei gemäßigten Temperaturen kontinuierlich Wärme ab. Ohne ausreichenden Kälteschutz sinkt die Körperkerntemperatur ab, und es entwickelt sich eine Hypothermie (Unterkühlung).

Warum Wasser schneller auskühlt als Luft

Wärmeleitfähigkeit von Wasser ist etwa 25-mal höher als die von Luft. Im Wasser wird die Körperwärme kontinuierlich abgeführt, während an Land eine isolierende Luftschicht um den Körper entsteht. Im Wasser reicht schon ein Temperaturunterschied von wenigen Grad, um den Körper über die Dauer eines Tauchgangs spürbar auszukühlen.

Unterschiede der Tauchanzüge

Nassanzug

Neopren

Ein dünnes Wasserfilm zwischen Haut und Neopren wird vom Körper aufgewärmt und isoliert. Einfach, robust, aber begrenzt bei kaltem Wasser.

Halbtrockenanzug

Dickeres Neopren, Dichtungen

Dickeres Neopren und engere Dichtungen an Armen und Beinen reduzieren den Wasseraustausch. Besserer Kälteschutz als Nassanzug.

Trockentauchanzug

Wasserdicht, Luftisolation

Hält den Körper komplett trocken. Isolation erfolgt über einen Unterzieher und eine Luftschicht. Beste Wahl bei kaltem Wasser, erfordert aber Ausbildung im Luftmanagement.

Trockentauchanzug – Besonderheiten

Ein Trockentauchanzug isoliert nicht durch Neopren, sondern durch einen Unterzieher und eine Luftschicht, die mit Gas aus der Flasche gefüllt wird. Die Isolation lässt sich an die Tiefe anpassen – sinkt der Druck, muss Gas in den Anzug nachgefüllt werden, steigt der Druck, muss Gas abgelassen werden. Das erfordert Ausbildung und Übung.

Risiko bei Undichtigkeit und Wassereinbruch

Ein Wassereinbruch in einen Trockentauchanzug kann die Isolation schlagartig aufheben. Nasser Unterzieher verliert fast seine gesamte Isolationswirkung. Bei kaltem Wasser kann ein Wassereinbruch innerhalb kurzer Zeit zu einer schweren Hypothermie führen. Dichtungen, Reißverschlüsse und Ventile müssen vor jedem Tauchgang geprüft werden.

  • Wassereinbruch = schlagartiger Verlust der Isolation.
  • Dichtungen und Reißverschlüsse vor jedem Tauchgang prüfen.
  • Bei Wassereinbruch Tauchgang sofort beenden.

Warnzeichen einer Unterkühlung

Zittern

Kältezittern ist das früheste sichtbare Zeichen – der Körper versucht, Wärme zu erzeugen.

Koordinationsstörung

Ungeschickte Bewegungen, fallenlassen von Gegenständen, unsichere Handgriffe.

Müdigkeit

Außergewöhnliche Erschöpfung, Schläfrigkeit, Antriebslosigkeit.

Verlangsamung

Verlangsamte Reaktionen, verlangsamtes Denken, verlangsamte Sprache.

Verwirrtheit

Desorientierung, unlogische Entscheidungen, verändertes Verhalten.

Apathie

Teilnahmslosigkeit, kein Interesse an der Umgebung – schweres Zeichen.

Kälteschmerz

Starker Kälteschmerz in Händen, Füßen oder am ganzen Körper.

Erste Hilfe bei Unterkühlung

  1. 1

    Aus Kälte bringen

    Betroffenen aus Wasser, Wind und Kälte an einen geschützten Ort bringen.

  2. 2

    Nasse Kleidung entfernen

    Nasse Kleidung entfernen, sofern praktikabel und würdevoll – mit Decken oder Ersatzkleidung abdecken.

  3. 3

    Wärmeerhalt

    Rettungsdecke, Decke oder warme Kleidung verwenden, weiteren Wärmeverlust verhindern.

  4. 4

    Aktive Erwärmung vorsichtig

    Warme Getränke nur bei wachem, schluckfähigem Patienten. Externe Wärme vorsichtig und nur am Rumpf, nicht an Extremitäten.

  5. 5

    Keine unnötige Bewegung

    Bei schwerer Hypothermie Betroffenen nicht unnötig bewegen – Risiko von Herzrhythmusstörungen.

  6. 6

    Notruf

    Bei Bewusstseinsstörung, starker Unterkühlung oder Kreislaufproblemen: sofort Notruf 112.

Zusammenhang mit Dekompressionsrisiko

Kälte kann die Durchblutung der Peripherie vermindern und die Stickstoffelimination erschweren. Eine vorsichtig formulierte Annahme ist, dass Kälte das Risiko einer Dekompressionskrankheit erhöhen kann, weil die Ausscheidung von Stickstoff aus gekühltem Gewebe langsamer erfolgt. DAN weist darauf hin, dass Kälte ein Faktor ist, der bei der Tauchgangsplanung berücksichtigt werden sollte. Eine exakte Quantifizierung ist individuell nicht möglich.

Verwandte Taucherwissen-Themen

Quellen und weiterführende Informationen

Kurse und Einweisungen auf Anfrage

Kurse und Einweisungen zu Sauerstoffgabe, AED, Erste Hilfe und Notfallmanagement bei Tauchnotfällen sind auf Anfrage bei Erste Hilfe Guide möglich.

Kurs auf Anfrage anfragen

Taucherwissen-Übersicht

Alle Themen rund um Erste Hilfe bei Tauchnotfällen.

Zur Übersicht