Wie werden Personen nach einem Tauchunfall gelagert, transportiert und übergeben?
Es gibt keine starre Universallagerung bei Tauchunfällen. Die Lagerung richtet sich nach Bewusstsein, Atmung, Kreislauf und Verletzungen. Die Übergabe an den Rettungsdienst sollte strukturiert nach MIST/ATMIST mit tauchspezifischen Informationen erfolgen.
Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder tauchmedizinische Ausbildung. Bei Verdacht auf einen Tauchnotfall gilt: Tauchgang beenden, Notruf absetzen, Sauerstoff verabreichen, Betroffenen überwachen und tauchmedizinische Beratung einholen.
Notfall-Schnellablauf Tauchnotfall
- 1Tauchgang beenden: Betroffenen aus dem Wasser holen, Tauchgang sofort abbrechen.
- 2Notruf absetzen: 112 anrufen – Verdacht auf Tauchunfall melden, Druckkammerberatung anfordern.
- 3100 % Sauerstoff: Sauerstoffgabe als Erste Hilfe nach Leitlage, sofern verfügbar und eingewiesen.
- 4Betroffenen überwachen: Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich kontrollieren.
- 5Tauchmedizinische Beratung: DAN/Taucherarzt über Rettungsleitstelle hinzuziehen.
Grundprinzipien
- 1
Eigenschutz
Sicherheit des Helfers beachten – keine Gefährdung durch Wasser, Ausrüstung oder Umgebung.
- 2
ABCDE-orientierte Versorgung
Versorgung nach dem ABCDE-Schema: Atemwege, Atmung, Kreislauf, Disability, Exposure.
- 3
Medizinischer Sauerstoff
Sauerstoffgabe bei entsprechender Indikation und Qualifikation – nur durch eingewiesenes Personal.
- 4
Kontinuierliche Überwachung
Atmung, Bewusstsein, Kreislauf und Symptomverlauf kontinuierlich überwachen.
- 5
Wärmeerhalt
Betroffenen vor Auskühlung schützen, nasse Kleidung entfernen, Rettungsdecke verwenden.
- 6
Keine unnötige körperliche Belastung
Betroffenen nicht gehen lassen, nicht aufrichten, keine körperliche Anstrengung.
- 7
Keine eigenständige Anreise
Symptomatische Betroffene dürfen nicht selbst anreisen – Transport durch den Rettungsdienst.
- 8
Frühzeitige Alarmierung
Rettungsdienst frühzeitig alarmieren – bei Verdacht auf Tauchnotfall immer 112.
- 9
Tauchmedizinische Beratung
Frühzeitig tauchmedizinische oder druckkammermedizinische Beratung über die Leitstelle anfordern.
Lagerung
Es gibt keine starre Universallagerung bei Tauchunfällen. Die Lagerung richtet sich nach Bewusstsein, Atmung, Kreislauf, Verletzungen und Erbrechen. Eine pauschale Lagerungsempfehlung für alle Tauchunfälle ist nicht vertretbar und kann im Einzelfall schädlich sein.
Lagerung nach klinischem Zustand
- 1
Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung
Atemweg sichern, stabile Seitenlage zum Aspirationsschutz.
- 2
Atemnot
Oberkörper häufig erhöht, sofern Kreislauf und Verletzungsmuster dies zulassen – Lagerung nach klinischem Zustand.
- 3
Reanimation
Rückenlage auf harter Unterlage, mit Herzdruckmassage beginnen.
- 4
Erbrechen
Aspirationsschutz: Seitenlage oder Kopfüberhang, Erbrochenes entfernen.
- 5
Mögliches Wirbelsäulentrauma
Bewegungsarm und indikationsgerecht lagern, bei Verdacht Immobilisation durch Rettungsdienst.
Keine Trendelenburg-Lagerung als Standard
Eine Trendelenburg-Lagerung (Kopf tiefer als Körper) wird nicht als Standardtherapie eines Tauchunfalls empfohlen. Es gibt keine belastbare Evidenz, die diese Lagerung bei Tauchunfällen als Routinemaßnahme rechtfertigt. Sie kann bei Atemnot oder Bewusstseinsstörungen sogar nachteilig sein.
- Keine Trendelenburg-Lagerung als Standard bei Tauchunfällen.
- Lagerung richtet sich nach klinischem Zustand.
Keine routinemäßige Linksseitenlage als universelle Behandlung einer Gasembolie
Eine routinemäßige Linksseitenlage als universelle Behandlung einer arteriellen Gasembolie wird nicht als Standard empfohlen. Es gibt keine belastbare Evidenz, die diese Lagerung als Routinemaßnahme bei Verdacht auf Gasembolie rechtfertigt. Die Lagerung richtet sich nach dem klinischen Zustand – bei Bewusstlosigkeit mit Atmung gilt die stabile Seitenlage zum Aspirationsschutz.
- Keine routinemäßige Linksseitenlage als Universallagerung bei Gasembolie.
- Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit mit Atmung zum Aspirationsschutz.
Transport
- 1
Transport durch Rettungsdienst
Transport durch den Rettungsdienst, nicht durch Ersthelfende oder Begleitpersonen.
- 2
Medizinische Überwachung
Kontinuierliche Überwachung durch Rettungsdienstfachpersonal oder Notarzt.
- 3
Sauerstoffvorrat
Sauerstoffvorrat für die gesamte Transportzeit plus Reserve bereithalten.
- 4
Keine unnötige Höhenexposition
Keine Bergpassagen oder Höhen, die den Umgebungsdruck weiter senken.
- 5
Flugtransport
Flugtransport nur nach fachlicher Abstimmung – Kabinendruck berücksichtigen.
- 6
Hubschraubertransport
Bei Hubschraubertransport mögliche Kabinendruck- oder Flughöhenaspekte berücksichtigen.
- 7
Zielklinik
Zielklinik nach Symptomatik und regionalem Versorgungskonzept – Druckkammerfähigkeit prüfen.
- 8
Druckkammer nicht eigenständig anfahren
Druckkammer nicht eigenständig anfahren, wenn dadurch Notfallversorgung oder Stabilisierung verzögert wird.
Übergabe an Rettungsdienst, Notarzt und Druckkammer
Die Übergabe an den Rettungsdienst, Notarzt und die Druckkammer sollte strukturiert nach MIST oder ATMIST erfolgen, ergänzt um tauchspezifische Informationen. Je vollständiger die Übergabe, desto gezielter kann die weitere Versorgung erfolgen. Die folgende Checkliste dient als Gedächtnisstütze und kann für die Übergabe verwendet werden.
Strukturierte Übergabe nach MIST/ATMIST
| Buchstabe | Bedeutung |
|---|---|
| A | Age (Alter) und Geschlecht |
| T | Time (Zeitpunkt des Symptombeginns) |
| M | Mechanism (Unfallmechanismus – Tauchprofil, Aufstieg, Ausrüstung) |
| I | Injuries (Verletzungen und Symptome) |
| S | Signs and Symptoms (Vitalparameter, neurologischer Kurzbefund) |
| T | Treatment (bereits durchgeführte Erste-Hilfe-Maßnahmen) |
ATMIST ist eine Erweiterung von MIST um Alter und Zeitpunkt. Beide Formate sind im Rettungsdienst etabliert.
Tauchspezifische Übergabeinformationen
- 1
Alter und Geschlecht
Alter und Geschlecht des Betroffenen.
- 2
Unfallmechanismus
Was geschah? Aufstieg, Luftanhalten, Atemgasverlust, Panik, technische Störung?
- 3
Symptome und Symptombeginn
Welche Symptome, wann begonnen, wie verlaufen?
- 4
Vitalparameter und Verlauf
Atmung, Puls, Bewusstsein, Sauerstoffsättigung – soweit ermittelt.
- 5
Bewusstseinslage
Wach, verwirrt, bewusstlos?
- 6
Neurologischer Kurzbefund
Pupillen, Lähmung, Sprachstörung, Sehstörung, Taubheit?
- 7
Atemnot, Brustschmerz, Husten, Schwindel, Lähmungen
Vorhandene oder abwesende Leitsymptome angeben.
- 8
Maximale Tiefe
Maximal erreichte Tiefe des Tauchgangs.
- 9
Tauchzeit
Dauer des Tauchgangs von Abstieg bis Auftauchen.
- 10
Atemgas
Verwendetes Atemgas – Druckluft, Nitrox, andere.
- 11
Tauchgangsprofil
Profil des Tauchgangs – Abstieg, Grundzeit, Aufstieg, Stopps.
- 12
Aufstiegsgeschwindigkeit
Geschätzte oder am Computer ablesbare Aufstiegsgeschwindigkeit.
- 13
Dekompressionsstopps
Geplante und tatsächlich durchgeführte Stopps.
- 14
Wiederholungstauchgänge
Anzahl und Abstand von Wiederholungstauchgängen am selben Tag.
- 15
Oberflächenintervall
Zeit zwischen den Tauchgängen an der Oberfläche.
- 16
Tauchcomputer verfügbar
Ist ein Tauchcomputer vorhanden? Daten sichern und mitgeben.
- 17
Buddy betroffen oder symptomfrei
Ist der Buddy ebenfalls betroffen? Auch den Buddy beobachten.
- 18
Technische Störungen
Gab es Ausrüstungsprobleme? Ausrüstung sichern.
- 19
Bewusstlosigkeit oder Aspiration
War der Betroffene bewusstlos? Wurde Wasser aspiriert?
- 20
Bereits verabreichter Sauerstoff
Wurde Sauerstoff gegeben? Welches System und welcher Flow?
- 21
Beginn und Dauer der Sauerstoffgabe
Wann begonnen, wie lange gegeben?
- 22
Reanimationsmaßnahmen
Wurde reanimiert? Seit wann? Wer?
- 23
AED-Schocks
Wurde ein AED eingesetzt? Wie viele Schocks?
- 24
Medikamente durch Rettungsdienst oder Arzt
Welche Medikamente wurden durch wen verabreicht?
- 25
Wärme- und Rettungsmaßnahmen
Welche weiteren Maßnahmen wurden durchgeführt?
- 26
Vorerkrankungen und Medikamente
Bekannte Vorerkrankungen, Dauermedikation, Allergien.
- 27
Kontaktdaten
Kontaktdaten der Tauchbasis und der Begleitpersonen.
Druckbare Übergabecheckliste
Die obige Liste kann als Übergabecheckliste verwendet werden. Im Idealfall wird sie vor der Übergabe am Tauchplatz ausgefüllt und dem Rettungsdienst übergeben. Je vollständiger die Informationen, desto gezielter kann die weitere Versorgung erfolgen. Die Checkliste ersetzt keine Ausbildung, ist aber eine wertvolle Gedächtnisstütze unter Stress.
Tauchcomputer und Ausrüstung
- 1
Tauchcomputer sichern
Tauchcomputer, Atemgasdaten und Ausrüstung sichern und mitgeben.
- 2
Nichts zurücksetzen
Keine Daten am Tauchcomputer zurücksetzen oder löschen.
- 3
Gerät zuordnen
Gerät eindeutig dem Betroffenen zuordnen.
- 4
Unfallausrüstung sichern
Unfallausrüstung nur sichern, wenn dies gefahrlos möglich ist.
- 5
Beweissicherung
Bei möglicher technischer Ursache Beweissicherung und spätere fachliche Untersuchung berücksichtigen.
Sicherheitshinweis Sauerstoff und Beatmungsbeutel
Medizinischer Sauerstoff und Beatmungsbeutel gehören nicht in die Hände ungeschulter Personen. Ihre sichere Anwendung setzt eine passende Ausbildung, praktische Einweisung in das konkrete System und regelmäßige Wiederholungstrainings voraus. Als fachliche Mindestanforderung dieser Seite wird ein praktisches Training mindestens einmal jährlich empfohlen. Beatmungsbeutel sollten möglichst als Zwei-Helfer-Technik angewendet werden. Die Einhand-Maskenbeatmung ist keine einfache Laienmaßnahme. Sauerstoffgabe ersetzt weder Notruf noch Reanimation oder professionelle Versorgung. Bei jedem ernsthaften Tauchnotfall frühzeitig den Rettungsdienst und eine tauchmedizinische Fachberatung einbeziehen. Keine eigenmächtige Rekompression im Wasser. Keine Medikamente durch Ersthelfende. Keine invasiven Maßnahmen für Ersthelfende.
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Quellen und weiterführende Informationen
Kurse und Einweisungen auf Anfrage
Kurse und Einweisungen zu Sauerstoffgabe, AED, Erste Hilfe und Notfallmanagement bei Tauchnotfällen sind auf Anfrage bei Erste Hilfe Guide möglich.
Kurs auf Anfrage anfragenTaucherwissen-Übersicht
Alle Themen rund um Erste Hilfe bei Tauchnotfällen.