Erste Hilfe bei Schockbehandlung - Schock erkennen und richtig handeln

Schock ist ein medizinischer Notfall mit unzureichender Gewebeperfusion. Lerne ihn zu erkennen und die richtige Erste Hilfe zu leisten.

Schock ist ein kritischer Zustand, bei dem die Blutversorgung des Körpers nicht mehr ausreicht, um die lebenswichtigen Organe mit Sauerstoff zu versorgen. Dies ist ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall, der sofortige Maßnahmen erfordert.

Je schneller ein Schock erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen für den Patienten. In diesem Artikel erfährst du, wie du die verschiedenen Arten von Schock erkennst, welche Symptome auftreten und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen du ergreifen musst.

Arten von Schock

Hypovolamischer Schock

Volumenmangelschock

Verursacht durch Blut- oder Flüssigkeitsverlust. Häufigste Schockart. Tritt bei schweren Blutungen, Verbrennungen oder Dehydration auf.

Anaphylaktischer Schock

Allergiebedingter Schock

Schwere allergische Reaktion auf Stoffe wie Medikamente, Insektengift oder Nahrungsmittel. Entwickelt sich sehr schnell.

Cardiogener Schock

Herzversagensbedingter Schock

Das Herz pumpt nicht mehr ausreichend Blut. Häufig nach Herzinfarkt, bei Herzrhythmusstörungen oder Herzmuskelerkrankung.

Septischer Schock

Infektionsbedingter Schock

Schwere Infektion führt zu Entzündungsreaktionen im Körper. Tritt bei Sepsis oder schweren Infektionen auf.

Neurogener Schock

Nervensystem-bedingter Schock

Verursacht durch schwere Rückenmarksverletzungen im Hals- oder Brustbereich. Führt zu massivem Blutdruck-Abfall.

Symptome von Schock

Klassische Schock-Symptome

Tachykardie: Herzfrequenz über 100 Schläge pro Minute
Hypotonie: Blutdruck deutlich erniedrigt, systolisch unter 90 mmHg
Blasse, kalte Haut: Besonders an Extremitäten, Zentralisierung der Zirkulation
Kalter Schweiß: Profuse Schweißsekretion trotz normaler Körpertemperatur
Verwirrheit: Veränderte Bewusstseinslage, Desorientierung

Frühe Zeichen (Stadium 1-2)

Unruhe: Patient wirkt ängstlich, nervös oder reizbar
Durst: Starker, oft unstillbarer Durst
Normaler oder erhöhter Blutdruck: Kann anfangs noch normal sein durch Kompensation
Gefühl der Besorgnis: Unbegründetes Gefühl, dass etwas nicht stimmt

Späte Zeichen (Stadium 3-4)

Bewusstlosigkeit: Patient reagiert nicht auf Reize, tiefes Koma
Atemstillstand: Spontane Atmung aufgehört oder extrem flach
Kreislaufstillstand: Keine normale Atmung erkennbar, Bewusstlosigkeit - sofort CPR beginnen
Extremer Blutdruck-Abfall: Systolisch unter 50 mmHg oder nicht messbar

Sofortmaßnahmen - Schockbehandlung

1

Notruf 112 absetzen

Sofort den Notruf wählen und um medizinische Hilfe bitten

2

Patient lagern

In Schockposition bringen: auf den Rücken legen, Beine hochlagern (Fuß der Ebene 20-30 cm höher als Kopf)

3

Enganliegende Kleidung lockern

Enge Kleidung, Gürtel, Krawatte entfernen, um Druck auf Bauch und Brust zu vermeiden

4

Temperatur regulieren

Patient mit Decke oder Rettungsdecke warmhalten, aber nicht zu heiß lagern

5

Beruhigung und Betreuung

Mit ruhiger Stimme mit dem Patienten sprechen, kontinuierliche Betreuung bis Notarzt eintrifft

6

NICHT zu trinken geben

Kein Essen, keine Flüssigkeiten. Mund befeuchten wenn möglich

7

Atmung kontrollieren

Regelmäßig Atmung kontrollieren. Bei Atemstillstand sofort mit Reanimation beginnen

Häufige Fehler (NICHT TUN)

Flüssigkeiten oder Essen geben

Beine hochlagern bei Kopf-, Brust- oder Bauchverletzung (Ausnahme: hypovolamischer Schock)

Patient zu aggressiv bewegen oder ruckartiger lagern

Patient allein lassen während Schock-Behandlung

Zu lange auf ärztliche Hilfe warten, zu spät Notruf absetzen

Hinweise für verschiedene Personengruppen

Privatpersonen

Ohne medizinische Ausbildung

  • Notruf 112 absetzen
  • Patienten lagern und warmhalten
  • Laufend kontrollieren ob Atmung und Bewusstsein vorhanden sind
  • Bei Atemstillstand Reanimation beginnen

Betriebliche Ersthelfer

Mit Erste-Hilfe-Ausbildung

  • X-ABCDE-Schema durchführen
  • Blutungsquellen identifizieren und kontrollieren
  • Anaphylaxie ausschließen und ggf. Adrenalin-Auto-Injector verabreichen
  • Lagerung nach Verletzungsart adaptieren

Medizinisches Fachpersonal

Ärzte und Rettungssanitäter

  • Schockart differenzieren
  • Intravenöse Zugänge legen und Flüssigkeitsersatz durchführen
  • Vitalzeichen kontinuierlich überwachen
  • Gegebenenfalls Medikamente verabreichen (Adrenalin, Vasopressoren)

Monitoring und Überwachung

Überwache den Patienten kontinuierlich bis professionelle medizinische Hilfe eintrifft. Kontrolliere regelmäßig: Bewusstseinslage, Atmung, Hautfarbe und Temperatur. Beende die Schockbehandlung erst wenn Notarzt oder Rettungsdienst den Patienten übernommen hat.

  • Regelmäßig ansprechen und auf Reaktion prüfen
  • Sichtbar und spürbar, normale Atemfrequenz 12-20 pro Minute
  • Auf Blässe, Feuchtigkeit und Kälte prüfen (Schockzeichen)
  • Bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung: stabile Seitenlage. Ohne Atmung: sofort CPR.

Häufig gestellte Fragen

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Quellen und wissenschaftliche Grundlagen

  • European Resuscitation Council (ERC) Guidelines 2025 - https://www.erc.edu/guidelines-2025
  • German Resuscitation Council (GRC) Leitlinien 2025 - https://www.grc-org.de/wissenschaft/leitlinien
  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) - S3-Leitlinie Polytrauma 2025
  • ILCOR CoSTR 2025 - https://www.ilcor.org/costr
  • PHTLS - Prehospital Trauma Life Support, 10. Auflage 2025
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