Erste Hilfe bei Schlaganfall erkennen - Das BE-FAST-Schema

Das BE-FAST-Schema ist die aktuellste und zuverlässigste Methode, einen Schlaganfall zu erkennen. Jede Minute zählt - die Versorgung ist zeitkritisch.

Bei einem Schlaganfall sterben pro Minute etwa 1,9 Millionen Nervenzellen ab. Die Versorgung ist daher höchst zeitkritisch.

Das BE-FAST-Schema erweitert das klassische FAST-Schema um zwei entscheidende Komponenten: Balance und Eyes. Damit werden auch Schlaganfälle im hinteren Stromgebiet (Hirnstamm, Kleinhirn) erkannt, die mit dem alten Schema häufig übersehen wurden.

Time is Brain - Warum jede Minute zählt

Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt. Jede Minute ohne Behandlung führt zum Verlust von etwa 1,9 Millionen Nervenzellen. Dies kann zu dauerhaften Lähmungen, Sprachstörungen oder Tod führen.

Die Lysetherapie (Blutgerinnsel-Auflösung) muss innerhalb von 4,5 Stunden begonnen werden. In den ersten 3 Stunden ist die Erfolgsrate am höchsten. Zusätzlich kann eine mechanische Thrombektomie in spezialisierten Zentren bis zu 24 Stunden nach Symptombeginn durchgeführt werden.

Die Erkennung und der Notruf sind daher zeitkritisch - je schneller die Behandlung beginnt, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden.

BE-FAST-Schema anwenden

1

B - Balance (Gleichgewicht)

Hat die Person plötzlich Gleichgewichtsprobleme? Schwankt sie, kann nicht gerade stehen oder gehen? Plötzlicher Schwindel mit Gangunsicherheit ist ein Warnsignal für Schlaganfall im hinteren Stromgebiet.

2

E - Eyes (Augen)

Liegt eine plötzliche Sehstörung vor? Doppelbilder, Gesichtsfeldausfall oder einseitiger Sehverlust? Frage die Person, ob sie normal sehen kann.

3

F - Face (Gesicht)

Bitte die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab? Ist das Gesicht einseitig verzogen? Das deutet auf eine faziale Parese hin.

4

A - Arms (Arme)

Bitte die Person, beide Arme nach vorne zu strecken (Handflächen nach oben). Sinkt ein Arm ab oder dreht sich die Hand nach innen? Das ist ein klassisches Zeichen für eine Hemiparese.

5

S - Speech (Sprache)

Bitte die Person, einen einfachen Satz zu wiederholen. Ist die Sprache verwaschen, undeutlich oder verwendet die Person falsche Wörter? Auch Sprachverständnisstörungen beachten.

6

T - Time (Zeit)

Sofort 112 anrufen! Den Verdacht auf Schlaganfall mitteilen und die genaue Uhrzeit des Symptombeginns angeben. Diese Information ist für die Therapieentscheidung entscheidend.

Weitere Schlaganfall-Symptome

Kopfschmerzen

Plötzlich einsetzender, stärkster Kopfschmerz (Vernichtungskopfschmerz - deutet auf Hirnblutung hin)

Sehstörungen

Plötzliche Erblindung auf einem Auge, Gesichtsfeldausfall oder Doppelbilder

Schwindel

Plötzlicher starker Schwindel mit Gangunsicherheit (oft Zeichen für posterioren Schlaganfall)

Taubheit

Plötzliche Taubheit oder Sensibilitätsstörung auf einer Körperseite

Verwirrtheit

Plötzliche Desorientierung oder Sprachverständnisstörung

Hemiparese

Plötzliche Schwäche oder Lähmung einer Körperhälfte

Ataxie

Plötzliche Koordinationsstörung, Fallneigung, ungerichtete Bewegungen

Blickdeviation

Augen blicken zur Seite der Hirnläsion (konjugierte Blickdeviation)

Häufige Fehler - was Sie vermeiden müssen

Abwarten, ob die Symptome von selbst besser werden: Jede Verzögerung kostet Hirngewebe. Auch flüchtige Symptome erfordern den Notruf.

Die betroffene Person selbst ins Krankenhaus fahren: Der Rettungsdienst kann bereits auf der Fahrt die Stroke-Unit vorbenachrichtigen und die Diagnostik einleiten.

Eigenmächtig Blutdruck senken: Der erhöhte Blutdruck ist oft ein Kompensationsmechanismus zur Aufrechterhaltung der Hirndurchblutung. Blutdrucksenkung nur ärztlich.

Acetylsalicylsäure (ASS) oder andere Medikamente geben: Bei einer Hirnblutung kann ASS die Blutung verstärken und lebensbedrohlich sein.

Essen oder Trinken verabreichen: Durch mögliche Schluckstörungen (Dysphagie) besteht Aspirationsgefahr.

TIA - Transitorische Ischämische Attacke

  • TIA: Schlaganfall-Symptome, die sich innerhalb von Minuten bis maximal 24 Stunden vollständig zurückbilden. Eine TIA ist ein Notfall und kein harmloser Vorläufer.
  • Hohes Rezidivrisiko: Nach einer TIA beträgt das Risiko für einen vollständigen Schlaganfall in den ersten 48 Stunden bis zu 10 %. Sofortige Abklärung ist zwingend erforderlich.
  • Posteriorer Schlaganfall: Symptome wie isolierter Schwindel, Doppelbilder oder Gangstörung können auf einen Schlaganfall im Hirnstamm hinweisen. Ein negatives BE-FAST-Ergebnis schließt keinen Schlaganfall aus.
  • Unbekannter Symptombeginn: Wenn Symptome beim Aufwachen bemerkt werden, gilt der letzte symptomfreie Zeitpunkt als Referenz. Sofort 112 rufen.

Schlaganfall bei verschiedenen Personengruppen

Ältere Menschen

Klassische Präsentation

  • Häufigste Altersgruppe (über 60 Jahre)
  • Oft assoziiert mit Hypertonie, Diabetes oder Vorhofflimmern
  • Höheres Risiko für Hirnblutungen unter Antikoagulation

Junge Erwachsene

Häufig fehldiagnostiziert

  • Schlaganfall ist auch unter 40 Jahren möglich
  • Häufige Ursachen: Dissektion, Gerinnungsstörung, Foramen ovale, orale Kontrazeptiva
  • BE-FAST-Symptome genauso ernst nehmen wie bei älteren Personen

Kinder

Selten, aber möglich

  • Mögliche Ursachen: Sichelzellanämie, Herzfehler, Vaskulitis
  • Symptome können atypisch sein (Krampfanfall, Verhaltensänderung)
  • Hoher Verdachtsindex notwendig

Personen mit Vorhofflimmern

Erhöhtes thromboembolisches Risiko

  • Thrombenbildung im linken Vorhof
  • Fünffach erhöhtes Schlaganfall-Risiko
  • Antikoagulation als Prävention essenziell

Häufig gestellte Fragen

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Quellen und wissenschaftliche Grundlagen

  • European Stroke Organisation (ESO) Guidelines 2025 - https://eso-stroke.org/guidelines/
  • American Heart Association / American Stroke Association Guidelines 2025 - https://www.heart.org/en/professional/quality-improvement/get-with-the-guidelines
  • German Resuscitation Council (GRC) Leitlinien 2025 - https://www.grc-org.de/wissenschaft/leitlinien
  • Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) - https://www.dsg-info.de/
  • ILCOR CoSTR 2025 - https://www.ilcor.org/costr
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