Erste Hilfe bei Bewusstlosigkeit - Erkennen und richtig reagieren

Eine bewusstlose Person braucht sofortige Hilfe. Die zwei Fragen: Atmet sie? Ja = Seitenlage. Nein = CPR.

Bewusstlosigkeit ist ein Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Die gute Nachricht: Mit wenigen einfachen Schritten kannst du eine bewusstlose Person richtig versorgen.

Das Wichtigste ist, sofort zu handeln und die Atemwege offen zu halten. Die ersten Minuten entscheiden über Leben und Tod.

Bewusstlosigkeit - Definition und Schweregrade

Bewusstlosigkeit (Koma) ist ein Zustand, in dem eine Person nicht erweckbar ist und nicht reagiert. Die Glasgow Coma Scale (GCS) misst den Schweregrad von 3 (tiefes Koma) bis 15 (völlig wach). GCS ≤ 8 erfordert sofortige intensivmedizinische Betreuung.

Für Ersthelfer ist die AVPU-Skala einfacher: Alert (wach), Verbal (reagiert auf Ansprache), Pain (reagiert auf Schmerz), Unresponsive (keine Reaktion). Alles unter „Alert" erfordert 112 und sofort Atemwegssicherung.

Ursachen der Bewusstlosigkeit (AEIOU-TIPS)

A - Alkohol/Acidose

Intoxikation oder Stoffwechsel

Akute Alkoholvergiftung, diabetische Ketoazidose, Laktatazidose bei Sepsis.

E - Epilepsie/Elektrolyte

Neurologisch oder chemisch

Post-iktaler Zustand, Hypokaliämie, Hypernatriämie.

I - Insulin/Hypoglykämie

Endokrin

Schwere Hypoglykämie oder Hyperglykämie, diabetisches Koma.

O - Opiate/Overdose

Drogenbedingt

Opioid-Intoxikation, andere Drogenvergiftung, Medikamentenüberdosis.

U - Uräm ie

Nierenversagen

Urämische Enzephalopathie bei Nierenversagen.

T - Trauma/Temperatur

Mechanisch oder thermisch

Schädel-Hirn-Trauma, Hypothermie, Überhitzung/Hitzeschlag.

I - Infektion

Sepsis/Meningitis

Sepsis mit Schock, Meningitis, Enzephalitis, schwere Lungenentzündung.

P - Psychogen

Psychologisch

Konversionsstörung (seltene echte Bewusstlosigkeit), auch Vergiftung (Poison).

S - Schlaganfall/Schock

Neuro oder hämodynamisch

Großer Schlaganfall, septischer/kardiogener Schock, Hypovolämie.

Vorgehen bei Bewusstlosigkeit

1

Schritt 1

Ansprechen und stimulieren: Laut ansprechen „Können Sie mich hören?" und sanft an den Schultern schütteln. Keine Reaktion = Notfall!

2

Schritt 2

Notruf 112: Sofort wählen, Lautsprecher, bei Bewusstlosigkeit automatisch CPR-Anweisung aktivieren.

3

Schritt 3

Atemwege öffnen: Kopf vorsichtig überstrecken (Kopf-Kinn-Handgriff). Mund-Rachenraum nur bei begründetem Verdacht inspizieren (z. B. Vorfall beim Essen, sichtbarer Fremdkörper).

4

Schritt 4

Atmung prüfen: 10 Sekunden beobachten und hören. Schnappatmung = KEINE ausreichende Atmung.

5

Schritt 5

Normale Atmung? Stabile Seitenlage sofort anlegen. Kopf seitlich, Atemwege offen, regelmäßig checken.

6

Schritt 6

Keine Atmung? CPR 30:2 starten. Weiterreanimieren bis RD kommt oder Erschöpfung.

Kritische Punkte

  • Schnappatmung (gasping, schnappende Atemzüge) ist KEINE normale Atmung - starten Sie sofort CPR!
  • Atemkontrolle: Maximal 10 Sekunden beobachten. Zu langes Warten kostet kostbare Zeit!
  • Person NIEMALS alleine lassen: Sie könnte Erbrochenes aspirieren oder den Kreislauf einstellen.
  • Regelmäßig kontrollieren: Alle 2-3 Minuten Atmung prüfen. Pulskontrolle ist keine Ersthelfer-Maßnahme.
  • Wärmeschutz: Decke über die Person legen, Unterkühlung vermeiden.

Prüfung der Bewusstseinslage (AVPU)

AVPU-Skala

A - Alert (Wach): Person ist wach und orientiert, antwortet spontan auf Ansprache.
V - Verbal: Person antwortet nur auf laute Ansprache oder ist verwirrt.
P - Pain: Person reagiert nur auf Schmerzreize (Druck auf Trapezius oder Knöchel).
U - Unresponsive: Person reagiert auf nichts - Notfall! 112 und CPR.

Häufig gestellte Fragen

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Quellen und wissenschaftliche Grundlagen

  • European Resuscitation Council (ERC) Guidelines 2025 - https://www.erc.edu/guidelines-2025
  • ILCOR CoSTR 2025 - https://www.ilcor.org/costr
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) - S1-Leitlinie Fieberkrämpfe 2025
  • DGUV Erste-Hilfe Standards 2025
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) 2025
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