Wie erkennt und versorgt man ein Ohrbarotrauma beim Tauchen?
Ein Ohrbarotrauma entsteht beim Ab- oder Auftauchen, wenn der Druckausgleich nicht gelingt. Symptome reichen von Ohrenschmerz und Hörminderung bis Schwindel und Blut aus dem Ohr. Bei Verdacht auf Innenohrbeteiligung ist der Tauchgang sofort zu beenden.
Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder tauchmedizinische Ausbildung. Bei Verdacht auf einen Tauchnotfall gilt: Tauchgang beenden, Notruf absetzen, Sauerstoff verabreichen, Betroffenen überwachen und tauchmedizinische Beratung einholen.
Notfall-Schnellablauf Tauchnotfall
- 1Tauchgang beenden: Betroffenen aus dem Wasser holen, Tauchgang sofort abbrechen.
- 2Notruf absetzen: 112 anrufen – Verdacht auf Tauchunfall melden, Druckkammerberatung anfordern.
- 3100 % Sauerstoff: Sauerstoffgabe als Erste Hilfe nach Leitlage, sofern verfügbar und eingewiesen.
- 4Betroffenen überwachen: Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich kontrollieren.
- 5Tauchmedizinische Beratung: DAN/Taucherarzt über Rettungsleitstelle hinzuziehen.
Äußeres, mittleres und inneres Ohr
Das Ohr besteht aus drei Bereichen, die beim Tauchen unterschiedlich betroffen sein können: dem äußeren Gehörgang, dem Mittelohr hinter dem Trommelfell und dem inneren Ohr mit Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan. Ein Barotrauma kann jeden dieser Bereiche betreffen, am häufigsten ist das Mittelohrbarotrauma.
Druckausgleich und Tubenbelüftungsstörung
Das Mittelohr ist über die Eustachi-Röhre (Ohrtube) mit dem Rachen verbunden. Beim Abtauchen muss Luft durch die Tube ins Mittelohr strömen, um den sinkenden Außendruck auszugleichen. Gelingt das nicht – etwa durch eine Tubenbelüftungsstörung infolge von Schleimhautschwellung oder Infekt – entsteht ein Unterdruck im Mittelohr, der das Trommelfell nach innen zieht. Beim Auftauchen muss die Luft aus dem Mittelohr entweichen; gelingt das nicht, entsteht ein Überdruck.
Barotrauma beim Ab- und Auftauchen
Beim Abtauchen komprimiert der steigende Druck die Luft im Mittelohr. Ohne Druckausgleich entsteht ein Unterdruck, der das Trommelfell nach innen zieht und Schmerzen verursacht. Beim Auftauchen dehnt sich die Luft im Mittelohr aus und muss über die Tube entweichen. Gelingt das nicht, entsteht ein Überdruck (inverses Barotrauma), der das Trommelfell nach außen drückt und im schlimmsten Fall zum Riss führen kann.
Symptome
Ohrenschmerz
Druck, Schmerz oder dumpfes Gefühl im Ohr beim Ab- oder Auftauchen.
Druckgefühl
Anhaltendes Druckgefühl oder „Verschluss" des Ohrs, auch nach dem Tauchgang.
Hörminderung
Plötzliche oder anhaltende Schwerhörigkeit auf einer oder beiden Seiten.
Tinnitus
Ohrenklingeln, Pfeifen oder Rauschen, das neu auftritt.
Schwindel
Drehschwindel, Unsicherheit oder Gleichgewichtsstörung – Verdacht auf Innenohrbarotrauma.
Übelkeit
Übelkeit oder Erbrechen in Verbindung mit Schwindel – möglich bei Innenohrbeteiligung.
Blut oder Flüssigkeit aus dem Ohr
Sichtbares Blut oder klares Sekret aus dem Gehörgang – Verdacht auf Trommelfellverletzung.
Mögliche Trommelfellverletzung
Bei starkem Unterdruck oder Überdruck kann das Trommelfell einreißen. Ein Trommelfellriss äußert sich oft mit plötzlich nachlassendem Schmerz, Hörminderung und eventuell Blut oder Flüssigkeit aus dem Ohr. Nach einem Trommelfellriss darf nicht erneut getaucht werden – Wasser kann ins Mittelohr eindringen und zu einer Infektion oder Innenohrschädigung führen.
- Trommelfellriss = kein weiteres Tauchen.
- Wassereintritt ins Mittelohr kann Infektion oder Innenohrschaden verursachen.
Verdacht auf Innenohrbarotrauma
Ein Innenohrbarotrauma ist ein ernster Notfall. Es entsteht, wenn Druckdifferenzen das Innenohr beeinträchtigen – etwa durch ein plötzliches, starkes Valsalva-Manöver oder durch einen Riss im runden oder ovalen Fenster. Verdachtszeichen sind Schwindel, starker Hörverlust, Tinnitus und Übelkeit. Bei diesen Symptomen ist der Tauchgang sofort zu beenden, und es ist eine notfallmäßige HNO- oder tauchmedizinische Abklärung erforderlich.
- Schwindel oder Hörverlust = Verdacht auf Innenohrbarotrauma.
- Tauchgang sofort beenden, Notruf bei schweren Symptomen.
Keine Manipulation im Gehörgang
Bei Verdacht auf ein Ohrbarotrauma oder eine Trommelfellverletzung darf der Gehörgang nicht manipuliert werden. Kein Reinigen, kein Spülen, keine Fremdkörperentfernung durch Ersthelfende. Die Gefahr besteht, dass Wasser oder Material ins Mittelohr gelangt und die Situation verschlimmert.
- Keine Manipulation im Gehörgang.
- Kein Reinigen oder Spülen bei Verdacht auf Trommelfellverletzung.
Keine Ohrentropfen bei möglicher Trommelfellverletzung
Ohrentropfen dürfen bei möglicher Trommelfellverletzung nicht ohne ärztliche Beurteilung angewendet werden. Wenn das Trommelfell gerissen ist, können Tropfen ins Mittelohr gelangen und das Innenohr schädigen. Die Entscheidung über lokale Maßnahmen obliegt dem HNO-Arzt oder Taucherarzt.
- Keine Ohrentropfen ohne ärztliche Beurteilung.
- Tropfen können bei Trommelfellriss das Innenohr schädigen.
Tauchgang beenden und Abklärung
- 1
Tauchgang beenden
Bei Ohrenschmerz, Druckgefühl, Hörminderung, Schwindel oder Blut aus dem Ohr: Tauchgang sofort abbrechen.
- 2
Keine erneute Druckexposition
Nicht erneut tauchen, kein Druckausgleich mit Gewalt, keine weiteren Ab- oder Auftauchmanöver.
- 3
HNO-Abklärung
Bei anhaltenden Beschwerden, Hörminderung, Schwindel oder Blut aus dem Ohr: HNO-ärztliche oder tauchmedizinische Abklärung.
- 4
Notruf bei schweren Symptomen
Bei Schwindel, starkem Hörverlust, Übelkeit oder neurologischen Symptomen: Notruf 112.
Differenzierung zwischen Barotrauma und Dekompressionserkrankung des Innenohrs
Innenohrsymptome nach dem Tauchen können durch ein Barotrauma oder durch eine Dekompressionserkrankung des Innenohrs (inner-ear decompression sickness) verursacht sein. Ein Barotrauma tritt typischerweise beim Ab- oder Auftauchen auf, eine Dekompressionserkrankung eher nach dem Tauchgang. Die Differenzierung ist im Feld nicht sicher möglich und obliegt dem HNO-Arzt, Taucherarzt oder der Klinik. Bei jedem Innenohrsymptom gilt: Tauchgang beenden und ärztlich abklären.
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Quellen und weiterführende Informationen
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