Wie erkennt und versorgt man ein Sinusbarotrauma beim Tauchen?

Ein Sinusbarotrauma entsteht, wenn die Druckanpassung in den Nasennebenhöhlen blockiert ist. Warnzeichen sind lokalisierter Gesichts- oder Stirnschmerz, Zahnschmerz und Nasenbluten beim Ab- oder Auftauchen. Der Tauchgang sollte kontrolliert beendet werden.

Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder tauchmedizinische Ausbildung. Bei Verdacht auf einen Tauchnotfall gilt: Tauchgang beenden, Notruf absetzen, Sauerstoff verabreichen, Betroffenen überwachen und tauchmedizinische Beratung einholen.

Notfall-Schnellablauf Tauchnotfall

  1. 1
    Tauchgang beenden: Betroffenen aus dem Wasser holen, Tauchgang sofort abbrechen.
  2. 2
    Notruf absetzen: 112 anrufen – Verdacht auf Tauchunfall melden, Druckkammerberatung anfordern.
  3. 3
    100 % Sauerstoff: Sauerstoffgabe als Erste Hilfe nach Leitlage, sofern verfügbar und eingewiesen.
  4. 4
    Betroffenen überwachen: Atmung, Bewusstsein und Vitalzeichen kontinuierlich kontrollieren.
  5. 5
    Tauchmedizinische Beratung: DAN/Taucherarzt über Rettungsleitstelle hinzuziehen.

Betroffene Nasennebenhöhlen

Die Nasennebenhöhlen – Stirnhöhlen, Kieferhöhlen, Siebbeinzellen und Keilbeinhöhle – sind luftgefüllte Hohlräume im Schädel, die über schmale Gänge mit der Nasenhöhle verbunden sind. Beim Tauchen muss die Luft in den Nebenhöhlen dem Umgebungsdruck angepasst werden. Ist ein Gang blockiert, entsteht ein Druckunterschied, der auf die Schleimhäute und Wände der Nebenhöhle wirkt – das Sinusbarotrauma.

Blockierung der Druckanpassung

Beim Abtauchen muss Luft in die Nebenhöhlen strömen, beim Auftauchen muss sie entweichen. Sind die Verbindungsgänge verschlossen, entsteht beim Abtauchen ein Unterdruck, der die Schleimhäute ansaugt, und beim Auftauchen ein Überdruck, der die Schleimhäute oder Wände überdehnen kann. Beide Richtungen können zu Schmerz, Schleimhautriss und Blutung führen.

Ursachen

Infekt

Ein akuter Infekt der Atemwege kann die Schleimhäute anschwellen lassen und die Gänge blockieren.

Schleimhautschwellung

Allergische oder entzündliche Schleimhautschwellung kann die Nebenhöhlengänge verengen.

Anatomische Engstellen

Anatomische Varianten wie Nasenseptumdeviation oder enge Ostien können die Belüftung behindern.

Ungeeignete Selbstmedikation

Abschwellende Nasensprays können vorübergehend öffnen, aber während des Tauchgangs nachlassen – dann droht beim Auftauchen ein inverses Barotrauma.

Symptome

Lokalisierter Gesichts- oder Stirnschmerz

Druck oder Schmerz über Stirn, Wange oder hinter den Augen, oft einseitig.

Zahnschmerz

Schmerz im Oberkieferbereich, der sich wie Zahnschmerz anfühlt – durch Druck auf die Kieferhöhle.

Nasenbluten

Sichtbares Blut aus der Nase, oft beim Auftauchen – möglich bei Schleimhautriss.

Druckschmerz

Klopf- oder Druckschmerz über der betroffenen Nebenhöhle.

Schmerzen beim Ab- oder Auftauchen

Schmerz, der typischerweise mit der Druckänderung einhergeht und beim Stoppen auf gleicher Tiefe nachlassen oder bestehen bleiben kann.

Tauchgang kontrolliert beenden

  1. 1

    Stoppen

    Bei Schmerz beim Ab- oder Auftauchen: auf gleicher Tiefe stoppen, nicht mit Gewalt weiter.

  2. 2

    Leicht auf- oder absteigen

    Einen kleinen Schritt in die Richtung gehen, in der der Druck abnimmt, und versuchen, die Blockade zu lösen.

  3. 3

    Tauchgang beenden

    Wenn der Schmerz nicht nachlässt oder der Druckausgleich nicht gelingt: Tauchgang kontrolliert beenden.

  4. 4

    Keine gewaltsamen Manöver

    Kein forciertes Valsalva oder Pressen, das die Schleimhäute weiter belasten kann.

Keine gewaltsamen Druckausgleichsmanöver

Druckausgleichsmanöver dürfen nie mit Gewalt erzwungen werden. Zu starkes Pressen kann die Schleimhäute weiter schädigen, im schlimmsten Fall zu einem Schleimhautriss mit Blutung oder zu einer Verletzung der Nebenhöhlenwand führen. Wenn der Druckausgleich nicht gelingt: Tauchgang beenden, nicht mit Schmerz weiter tauchen.

  • Kein forciertes Valsalva-Manöver.
  • Nicht mit Schmerz weiter tauchen.

Keine erneute Druckexposition

Nach einem Sinusbarotrauma sollte nicht erneut getaucht werden, solange Beschwerden bestehen. Eine erneute Druckexposition kann die Verletzung verschlimmern. Vor einem weiteren Tauchgang sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen, insbesondere wenn die Beschwerden stark waren oder nicht abklingen.

Ärztliche Abklärung bei starken oder anhaltenden Beschwerden

Bei starkem Schmerz, anhaltendem Druckgefühl, sichtbarem Nasenbluten oder Fieber nach einem Tauchgang sollte eine HNO-ärztliche oder tauchmedizinische Abklärung erfolgen. Eine bakterielle Nebenhöhlenentzündung kann sich sekundär entwickeln und ärztlich behandelt werden müssen.

Keine pauschale Empfehlung abschwellender Medikamente zum Weitertauchen

Abschwellende Nasensprays sind keine Lösung, um mit einer Blockade weiter zu tauchen. Ihre Wirkung kann während des Tauchgangs nachlassen, und beim Auftauchen droht ein inverses Barotrauma, wenn die Schleimhaut wieder anschwillt. Die Entscheidung über medikamentöse Maßnahmen obliegt einem Arzt und sollte nicht dazu dienen, einen eigentlich kontraindizierten Tauchgang zu erzwingen.

  • Abschwellende Sprays sind kein Freifahrtschein zum Tauchen.
  • Bei Infekt oder Blockade: Tauchgang verschieben.

Warnzeichen für komplizierte Verläufe

Folgende Warnzeichen deuten auf einen komplizierten Verlauf und erfordern ärztliche oder notfallmäßige Abklärung:

  • Anhaltender starker Schmerz
  • Fieber nach dem Tauchgang
  • Sichtbare Blutung, die nicht stoppt
  • Neurologische Symptome (Sehstörung, Taubheit, Schwindel)
  • Bewusstseinsstörung

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Quellen und weiterführende Informationen

Kurse und Einweisungen auf Anfrage

Kurse und Einweisungen zu Sauerstoffgabe, AED, Erste Hilfe und Notfallmanagement bei Tauchnotfällen sind auf Anfrage bei Erste Hilfe Guide möglich.

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